Bundespräsident: Hundstorfer dürfte für die SPÖ antreten

27. Februar 2015, 17:43
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In den Parteien laufen bereits die Vorbereitungen für die Bundespräsidentenwahl 2016

Wien - Die Domain griss2016.at ist bereits reserviert. Der Auftrag erging an die deutsche Firma Netcup, und dort gibt man über die Kunden prinzipiell keine Auskunft. "Die Gründe für die Registrierung kennen wir nicht", sagt ein Mitarbeiter der Firma. Ein junger Musiker aus Attnang-Puchheim, der sich um diese Domain bemüht hat, kommt als Kampagnenleiter für Irmgard Griss wohl nicht infrage.

Im kommenden Jahr steht die Bundespräsidentenwahl an, und Irmgard Griss, ehemalige Präsidentin des Obersten Gerichtshofs und als Leiterin der Untersuchungskommission zur Causa Hypo Alpe Adria in Österreich bekannt und populär geworden, ist eine mögliche Kandidatin. Sie selbst hatte dazu die Bedingung formuliert, dass sie von SPÖ und ÖVP gemeinsam aufgestellt werden müsste - was sie sich aber nicht vorstellen könne. Das wäre wohl das "achte Weltwunder".

Kandidatenscreening

Griss hatte in den letzten Wochen und Monaten viel Sympathiebekundungen erhalten und läge in Umfragen durchaus gut im Rennen. SPÖ und ÖVP geben sich aber noch bedeckt. Vizekanzler und ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner sagt zum Standard: "Wir haben noch keine Entscheidung." Mitterlehner will jedenfalls für die ÖVP einen eigenen Kandidaten - oder eine Kandidatin - aufstellen. "Wir werden in den nächsten Monaten die infrage kommenden Kandidaten einem Screening unterziehen, auch was die Akzeptanz in der Bevölkerung anbelangt, und dann im Parteivorstand die Entscheidung treffen." Nachsatz: "Es gibt in dem Screening auch die Notwendigkeit, dass wir nicht nur Männer, sondern auch Frauen einer entsprechenden Akzeptanzbewertung bei unseren Wählern und natürlich bei denen, die wir für die Mehrheit noch dazu brauchen, unterziehen."

Schlachtpläne für die Wahl

Das könnte auf Erwin Pröll gemünzt sein, der sich in St. Pölten trotz zahlreicher gegenteiliger Beteuerungen bereits für eine Kandidatur aufwärme, wie es heißt. Inmitten aller Dementis hatte der niederösterreichische Landeshauptmann auch schon durchblicken lassen, dass ihn eine derartige Herausforderung durchaus reizen würde. Für den Fall der Fälle gebe es in Niederösterreich bereits entsprechende Schlachtpläne - und jedenfalls die (finanzielle) Unterstützung von Raiffeisen.

Nicht alle in der ÖVP wären damit glücklich, da die Strahlkraft von Pröll über Niederösterreich hinaus angezweifelt wird. Mitterlehner dazu kurz angebunden: "Wir werden in der gegebenen Zeit die notwendige Entscheidung gemeinsam treffen."

Pröll-Kandidatur

Daniel Kapp, Kommunikationsstratege und Politikberater, hat sich die Domain moser2016.at gesichert, beteuert aber, dass dies eine reine Privatsache sei und nicht im Auftrag von Rechnungshofpräsident Josef Moser geschehen sei. Gerüchten zufolge soll Kapp aber in die Vorbereitungen einer Pröll-Kandidatur eingebunden sein. Was Kapp zurückweist. Er arbeite zwar unter anderem auch für Raiffeisen, nicht aber für Erwin Pröll. Kapp macht nebenbei darauf aufmerksam, dass die Domain erwin2016.at bereits vergeben ist - nicht an ihn.

In der SPÖ schiebt man die offizielle Entscheidung über den Kandidaten noch vor sich her, intern dürfte die Entscheidung aber schon gefallen sein. Dass es einen eigenen Kandidaten geben wird, steht für Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos außer Frage. Und das spricht nicht für Irmtraud Griss, sondern vielmehr für Rudolf Hundstorfer, derzeit Sozialminister. Hundstorfer sei bereit und willig, seine Kandidatur bereits auf Schiene. Sein Team befinde sich bereits im Vorwahlkampfmodus.

Noch kein FPÖ-Kandidat

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache kann sich sowohl eine Unterstützung von Griss als auch von Rechnungshofpräsident Moser vorstellen - was dafür spricht, dass die FPÖ noch keinen eigenen Kandidaten gefunden hat.

Festgelegt haben sich die Grünen. Auf Alexander Van der Bellen. Eine Medienagentur hat bereits im Vorjahr im Auftrag der Grünen die Domain vdb2016.at registrieren lassen. Was noch fehlt, ist die Zustimmung Van der Bellens, der sich noch ziert. Der 71-jährige Professor ist jedenfalls sehr geschmeichelt, fürchtet aber den Aufwand des Wahlkampfs.(DER STANDARD, 28.2.2015)

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