Buddha und Olga, die müssen überallhin mit

2. März 2015, 05:30
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Die Kabarettistin und Autorin Barbara Balldini wohnt in Wien, Vorarlberg und Litschau. Egal wo, am liebsten verbringt die Nomadin ihre Zeit im Bett

Die Kabarettistin und Autorin Barbara Balldini wohnt in Wien, Vorarlberg und Litschau. Egal wo, am liebsten verbringt die Nomadin ihre Zeit im Bett. Wojciech Czaja durfte im Rosenblättermeer Platz nehmen.

"Ein Porträtfoto im Bett, das habt ihr auch nicht jeden Tag, oder? Doch Fakt ist, und das denk ich mir jeden Abend, wenn ich mich ins Bett lege: Das Bett ist die beste Erfindung des Menschen. Und das Schlafzimmer der beste Raum der Wohnung. Die meisten sagen: 'Bett? Das geht gar nicht! Wo bleibt da die Privatsphäre?' Doch für mich ist das Bett das Zentrum meines Lebensraumes. Hier mach ich alles, worüber man in der Zeitung nicht spricht, aber auch all die anderen Sachen. Vor allem ist das Bett mein Schreibtisch. Hier schreib ich all meine Bücher, all meine Programme, all meine Vorträge.

foto: kurt hörbst
Barbara Balldini im Zentrum ihres Lebensraumes. Das Bett fungiert auch als Schreibtisch, wo sie Bücher und Vorträge schreibt. Was zählt, ist, dass es weich ist - und der Ausblick. (Bildansicht durch Klick vergrößern)

Das Wichtigste ist, dass es weich und kuschelig ist und dass ich beim Fenster rausschauen kann, dass meine Gedanken wie kleine Wolken in die Landschaft hinwegschweben können. Ein Haus oder eine Wand vor meinem Schlafzimmerfenster ... Horror, das wäre das Ende der Balldini. Viele Leute suchen ihre Wohnung nach der Aussicht aus dem Wohnzimmer aus. Die wär mir im Zweifelsfall egal. Was zählt, ist der Ausblick aus dem Bett. Grün muss es sein, Luft und Weite haben, nur dann fühl ich mich inspiriert zum Schreiben und zum ... das werden die Lektoren eh rausschmeißen. Weiß eh jeder, was ich meine.

Ich bin eine Nomadin, immer schon gewesen. Ich bin schon oft umgezogen, aktuell lebe ich in Wien, in Lustenau, und schon die Tatsache, dass ich mir dieses Haus hier in Litschau gekauft habe, war eine unglaubliche Überwindung. Ich kann's immer noch nicht glauben. Im Waldviertel, nicht weit von hier, habe ich einmal sechs Jahre lang als Aussteigerin gelebt. Es war eine tolle Zeit, und ich habe mir geschworen: Balldini, eines Tages, so in 20 Jahren, wirst du zurückkommen und dich hier niederlassen! Das Waldviertel hat etwas Magisches, die Kälte, die Stille, die Einöde, die mystischen Steine und Bäume. Ich liebe dieses Nichts.

Das mit dem Niederlassen ist so eine Sache. An dem Abend, an dem ich den Kaufvertrag für dieses Häuschen unterschrieben hab, hab ich Rotz und Wasser geheult vor lauter Schreck. 'Du alte Nomadin hast ein Haus gekauft! Was hast du dir da angetan!' Da hat die innere Nomadin rebelliert. Ich und Besitz? Ein ganzes Haus mit 130 Quadratmetern? Angst! Ich müsste lügen, wenn ich sagte, es war eine rationale Entscheidung.

Meine Wohnungen in Lustenau und in Wien sind ganz anders eingerichtet. Aber hier in Litschau hab ich's gern holzig und herzlich und süß. Das Haus stammt aus den 1920er-Jahren, alles ist klein und gemütlich. Irgendwie schlummern in mir viele unterschiedliche Stile. Ich könnte in einem Loft leben, in einer historischen Villa, in einem Penthouse, und in Litschau wurde die Knusperhäuschensehnsucht befriedigt. Ich find ja, man kann vieles auf einmal sein - Diva, Mutter, Göttin, Schlampe ... Hier im Herzerl- und Rosenblätterparadies bin ich die normale, einfache Frau. Ich fühl mich hier richtig dahoam, umgeben von alten Möbeln, die vom Tandler sind oder vom Flohmarkt, von viel Holz, viel Stoff und ganz viel Kitsch mit Teelichtern, Duftkerzerln und Krimskrams.

Meine beiden Lieblingsteile sind mein ein Meter großer Buddha, der im Garten sitzt und der immer einen Kuss bekommt, wenn ich wiederkomm, und seine Freundin, die kleine, dicke, fette Olga mit ihrem runden, süßen Arsch. Buddha schaut aus wie aus Stein, ist aber aus Plastik. Bei Olga ist es genau umgekehrt. Wenn ich umziehe, und das kommt ja häufig vor, dann hock ich den Buddha auf den Beifahrersitz und schnall ihn an. Das hat schon Tradition. Dann schauen die Leute immer ganz eigenartig. Ich liebe das. Buddha und Olga, die müssen überallhin mit, die lass ich nie wieder gehen." (DER STANDARD, 27.2.2015)

Barbara Balldini, geboren 1964 in St. Johann in Tirol, ist Kabarettistin, Buchautorin und diplomierte Sexualpädagogin. Sie machte eine Ausbildung zur Sozial- und Berufspädagogin sowie zur Wirtschafts- und Organisationstrainerin. 2007 trat sie mit ihrem ersten Kabarettprogramm Von Liebe, Sex und anderen Irrtümern auf und tourt seitdem durch den deutschsprachigen Raum. Sie verfasste mehrere Bücher, etwa "Besser Schlampe als gar kein Sex". Ihre nächsten Auftritte: 6. 3. in der Kulisse, 9. 3. im Orpheum, beides in Wien, 10., 11. 3. im Orpheum in Graz.

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Barbara Balldini

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