Eiszeitlicher Regen hatte anderen Ursprung als der heutige

1. März 2015, 12:00
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Forscher stellen fest: Feuchte Luftmassen kamen damals vorwiegend von Süden anstatt von Westen in den Alpenraum

Innsbruck/Wien - Vor rund 25.000 Jahren erreichten die Alpengletscher aufgrund deutlich tieferer Temperaturen als heute ihre letzte maximale Ausdehnung. Die Niederschläge zogen damals - im Gegensatz zu den heute vorherrschenden Westströmungen - vom Süden her über die Alpen, berichten Innsbrucker Forscher anhand der Analyse von Tropfsteinen aus einer Höhle in der Westschweiz im Fachjournal "Nature Communications".

Natürliche Klimaarchive

Die Geologen aus der Arbeitsgruppe von Christoph Spötl vom Institut für Geologie der Universität Innsbruck nutzen Tropfsteine als Klimaarchiv. Die Stalaktiten und Stalagmiten wachsen über Tausende Jahre in Höhlen und speichern dabei auch Informationen über klimatische Veränderungen. Mithilfe geochemischer Untersuchungen können die Wissenschafter diese Informationen auslesen.

Gespeichert sind diese Informationen in Form von Isotopenverhältnissen - im konkreten Fall das Verhältnis von leichten und schweren Sauerstoffisotopen. "Niederschläge haben eine bestimmte Isotopensignatur, die von klimatischen Verhältnissen wie der Lufttemperatur, aber auch vom Transportweg abhängt", so Erstautor Marc Luetscher.

Wenn feuchte Luftmassen den Alpenkamm überqueren, kommt es in den Wassermolekülen zu einer Änderung im Verhältnis zwischen leichten und schweren Sauerstoffisotopen. "Denn bei Niederschlägen fallen bevorzugt die schweren Isotopen aus", so Luetscher. Kommen die Luftströmungen aus dem Süden, entsteht quer über die Alpen ein anderes Isotopenmuster als bei westlicher Anströmungsrichtung.

Anderer Kurs

Luetscher untersuchte Tropfsteine aus einer Höhle im schweizerischen Sieben Hengste Massiv. "Diese entstanden vor circa 30.000 bis 15.000 Jahren und decken damit den gesamten Zeitraum der letzten Eiszeit in den Alpen ab", so der Geologe. Aufgrund des Sauerstoff-Isotopenverhältnisses konnten die Wissenschafter belegen, dass die Luftströmung zur Zeit des letzten glazialen Maximums hauptsächlich von Süden kam. Die Niederschläge fielen also vor allem auf der Südseite des Alpenhauptkamms und führten dort auch entsprechend zum Wachstum der Gletscher.

Heute kommen Niederschläge, die am Nordrand der Alpen fallen, mit Westströmungen auf sehr direktem Weg vom östlichen Nordatlantik her. "Während der letzten Eiszeit gab es ebenfalls diese Westströmung, nur war das ganze System Richtung Süden verschoben", sagte Luetscher.

Die Analysen der Tropfsteine ermöglichten auch eine genaue Datierung des Zeitraums, in dem die Maximalvereisung stattgefunden hat. Die Messung der Verhältnisse der Uran- und Thorium-Isotope erlaubt es, die Zehntausende Jahre alten Proben auf rund 100 Jahre genau zu datieren. "Unsere Daten sprechen dafür, dass der Höhepunkt der letzten Eiszeit in den Alpen circa 3.000 Jahre früher stattfand als bisher angenommen - also vor etwa 25.000 Jahren", erklärte der Geologe. Die Wissenschafter wollen nun klären, ob es sich dabei nur um ein regionales Phänomen handelt und welche Klimaantriebe dazu geführt haben. (APA, derStandard.at, 28. 2. 2015)

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