McDonald's zwischen Bienen und Würmern

27. Februar 2015, 08:00
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Im Kampf gegen den Drahtwurm kommen wieder umstrittene Insektizide zum Einsatz. Die Debatte erfasst auch McDonald's

Wien - Erdäpfel rücken selten ins Rampenlicht. Auch ihre Ableger, die Pommes frites, bleiben in Lebensmitteldebatten gern unbeachtetes Beiwerk. Nun jedoch geht es in der Branche heiß her. Grund ist ein Duell Pommes gegen Bienen. Online kann darüber abgestimmt werden, ob McDonald' s in Österreich Tonnen an Erdäpfeln weiterhin unter starkem Einsatz von Insektiziden anbauen lassen soll - oder einer bienenfreundlicheren Landwirtschaft den Vorzug gibt.

McDonald's ist darob wenig begeistert, zumal der Konzern nicht der Urheber der Abstimmung ist. Landwirtschaftskammer und konventionelle Bauern sind empört. Die Biobranche frohlockt, denn im Kartoffelgeschäft, in dem internationale Pommes-Multis die Preise und das Tempo vorgeben, führen sie bisher ein Schattendasein. Der Auslöser des Konflikts: Österreich hat im Vorjahr das massiv umstrittene und als bienengefährlich geltende Insektizid Goldor Bait verboten. Auf Druck der Bauern, die ihre Ernten durch den Drahtwurm bedroht sehen, darf es heuer aufgrund einer Notfallzulassung wieder auf die Felder. McDonald's ist mit einem Bedarf von 22.500 Tonnen jährlich einer der größten Abnehmer - 350 Landwirte hat der Fastfoodkonzern unter Vertrag.

Schwerer Fehler

Umweltschutzorganisationen wie Global 2000 bezeichnen die erneute Zulassung als schweren Fehler, da sich Goldor Bait neben seiner Bienengefährlichkeit auch in Fettgewebe anreichere. Der Bioexperte Wilfried Oschischnig, der das Voting startete, nennt den Einsatz des Insektizids "ein Geschenk an die konventionelle Landwirtschaft im Zuge der Kammerwahlen". McDonald's hat es aus seiner Sicht in der Hand, ein Umdenken in der Branche und unter den Konsumenten herbeizuführen.

Der Drahtwurm sei älter als die Pommes frites und begleite Österreichs Ackerbauern seit Jahrzehnten, sagt Johann Ackerl. Seit gut 25 Jahren ist er Biobauer und bei Erdäpfeln und Zwiebeln mit der Vertriebsgesellschaft Pur führend im Lebensmittelhandel. Ackerl beziffert den Anteil der Fläche, die der Drahtwurm bei einem kompetenten Ackerbau heimsucht, mit fünf Prozent. Um dieses Risiko auszuschalten, müssten 95 Prozent der Felder mit bienengefährlichen Insektiziden behandelt werden.

Überproduktion

Abgesehen davon "vergiften wir Bienen zum Zwecke von Mengen, die keiner braucht". 2014 hätten Österreich und Europa hohe Überschüsse produziert, die Erdäpfelpreise seien im Keller, "und unter zwölf Cent für das Kilo können wir nicht kostendeckend arbeiten".

Ackerl kritisiert, dass auf Druck der Pommesindustrie der Anbau auf Felder ausgedehnt wurde, die sich dafür nicht eignen - auf den Seewinkel etwa. Der Drahtwurm spiegelt seiner Erfahrung nach die Qualität im Ackerbau wider. Aktuell werde sie durch giftscheinpflichtige Pestizide ersetzt; Erdäpfel seien ein Beispiel von vielen.

Manfred Zörnpfenning von der IG Erdäpfel sieht freilich keine Alternative zu Goldor Bait und klagt über exorbitante Schäden für die Bauern durch den Wurm. Der Klimawandel fördere diesen, und die Ansprüche der Abnehmer stiegen. "Ein kleines Aug, und die Kartoffel wird nicht akzeptiert. Entweder wir produzieren für den Markt oder für Hollywood." Dass Goldor Bait Bienen schade, sei falsch und "ein von der Pflanzenschutzgegner-Lobby" verbreitetes Gerücht.

Hoher Verarbeitungsaufwand

Von 100.000 Tonnen mussten zuletzt 3000 aufgrund des Wurmbefalls im Boden gelassen werden, rechnet Gerhard Bauernfeind, Geschäftsführer von Lamb Weston, Österreichs größtem Erdäpfelverarbeiter vor, der McDonalds mit der Knolle versorgt. Der Rest sei beschädigt gewesen, der Verarbeitungsaufwand deutlich höher.

McDonald''s-Sprecherin Ursula Riegler betont, wie wichtig es dem Konzern sei, Erdäpfel ausschließlich aus Österreich zu beziehen.

Ackerl meint, dass McDonald's bei pestizidfreiem Anbau pro Portion Fritten auf 0,2 Cent an Wertschöpfung verzichten müsste. Der jüngste Stand beim Voting Pommes gegen Biene: 88 Prozent der 549 Stimmen gingen an die Biene. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 27.2.2015)

  • Der Anteil an Bioerdäpfeln in der industriellen Verarbeitung liegt bei 0,1 Prozent. Vor allem Pommes sind massivem Preiskampf ausgesetzt.
    foto: reuters/hermann

    Der Anteil an Bioerdäpfeln in der industriellen Verarbeitung liegt bei 0,1 Prozent. Vor allem Pommes sind massivem Preiskampf ausgesetzt.

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