Rauchverbot im Bundesheer: Ein Ablenkungs-Manöver

Kommentar26. Februar 2015, 17:45
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Von Sorgen um Bewaffnung und Ausstattung hat Klug mit seinem Vorstoß jedenfalls abgelenkt

Politiker haben es nicht leicht: Das, was man von ihnen erwartet, können sie selten umsetzen - da fehlt das liebe Geld oder auch die Zustimmung des lieben Koalitionspartners. Also machen es sich Politiker leicht: Sie gehen wenigstens jene Themen an, die zwar keine Priorität haben, aber immerhin mit einem Federstrich und ohne Kosten umgesetzt werden können. So lenkt man von Problemen ab. Das hat Verteidigungsminister Gerald Klug mit vielen seiner Politikerkollegen gemeinsam.

Natürlich ist es eine gute Idee, wenn beim Militär, immerhin ein Arbeitsplatz für tausende Österreicher und einige Hundert Österreicherinnen, ein rauchfreies Klima herrscht. Aber der Erlass, den Klugs Präsidialgruppe dazu vorbereitet hat, war eben doch zu radikal: Wenn, wie ursprünglich geplant, die auf den riesigen Geländen der Truppenübungsplätze stationierten Soldaten tagelang gar nicht mehr rauchen dürften, wenn das Rauchen den Wachen der Kasernen und den Verwaltungsbeamten zumindest acht bis 24 Stunden lang verboten würde, dann ist das in der Praxis kaum durchzusetzen.

Oder es wirkt als Selektionskriterium: Da gehen junge Raucher eben zum Zivildienst, und das Heer wird (wie manche immer noch wünschen) ein Berufsheer - ein rauchfreies, aber auch weitgehend entwaffnetes und schlecht ausgestattetes. Von Sorgen um Bewaffnung und Ausstattung hat Klug mit seinem Vorstoß jedenfalls abgelenkt. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 27.2.2015)

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