Grüne gegen Integration mittels "Tafelputzens"

26. Februar 2015, 15:08
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Korun und Walser wollen automatische Einbürgerung von Kindern, deren Eltern fünf Jahre legal in Österreich ansässig sind

Wien - Die Grünen sehen in Vorschlägen, integrationsunwillige Schüler mit "Tafelputzen oder Bodenwischen" zu bestrafen, keinen Beitrag zum Zusammenwachsen der Gesellschaft. Das erklärten die grüne Integrationssprecherin Alev Korun und Bildungssprecher Harald Walser am Donnerstag. Sie sprachen sich dagegen für eine gemeinsame Schule und die Abschaffung der Sonderschulen aus.

"Mit Tafelputzen und Strafen werden wir nicht weiterkommen", so Walser in Richtung der in den vergangenen Wochen von den SPÖ-Landeshauptmännern Hans Niessl und Franz Voves oder aus den Reihen der ÖVP geäußerten Ideen für Strafen für vermeintlich integrationsunwillige Schüler. Korun bezeichnete diese Vorschläge als "halbwitzig bis aberwitzig".

Eltern einbeziehen statt strafen

Den Grünen erscheint hingegen die Umsetzung einer echten gemeinsamen Schule bis mindestens 14 Jahre sinnvoll, da diese zu mehr sozialer Durchmischung und mehr Aufstiegschancen für alle führe. Auch die Sonderschulen sind Korun und Walser ein Dorn im Auge, da Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache oft auch aufgrund schlechter Sprachkenntnisse dorthin abgeschoben würden. Das führe dort zu einer deutlichen Überrepräsentierung dieser Gruppe. Um Eltern, die sich kaum in die Schule einbringen, besser einzubeziehen, brauche es zudem mehr niederschwellige Angebote, wie etwa gemeinsames Kochen, Feste oder ein "Elternfrühstück", wie Walser ausführte.

Die gestrige Einigung zur sprachlichen Frühförderung in Kinderbetreuungseinrichtungen zwischen dem Bund und den Ländern gehe "in die richtige Richtung". Allerdings zeigte sich Walser enttäuscht, dass die Finanzierung nicht wie im Entwurf ursprünglich vorgesehen, nach dem Schlüssel 50:50, sondern der Bund zu den notwendigen 90 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre doppelt so viel beisteuern wird als die Länder.

Berufsqualifikation anerkennen

Kinder, die in Österreich geboren werden und deren Eltern seit mehr als fünf Jahren legal hier leben, sollten laut Korun zukünftig automatisch eingebürgert werden. Ebenfalls einen entscheidenden Beitrag zur Integration würde ein Anerkennungsgesetz für im Ausland erworbene, mitgebrachte Berufsqualifikationen oder anonymisierte Bewerbungsverfahren bei der Jobsuche mit sich bringen, zeigte sich die Integrationssprecherin überzeugt. (APA, 26.2.2015)

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