Anti-Griechenland-Aktion der "Bild" sorgt für heftige Kritik - Stopp gefordert

27. Februar 2015, 09:52
308 Postings

Zeitung ruft Leser zu Nein gegen "gierige Griechen" auf - Journalistenverband fordert Aus

Berlin - Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat die "Bild"-Zeitung aufgefordert, ihre Aktion gegen die Verlängerung der Griechenland-Hilfen zu stoppen. Der Verband sprach am Donnerstag von einer "Kampagne", die direkten Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen wolle. Dies "verbiete sich aber mit der beschreibenden Aufgabe des Journalismus", erklärte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Auch auf Twitter hagelt es heftige Kritik.

Die Zeitung rief am Donnerstag ihre Leser dazu auf, sich zusammen mit der "Bild"-Schlagzeile "Nein - Keine weiteren Milliarden für die gierigen Griechen" zu fotografieren und das Selfie an die Redaktion zu senden. Anlass ist die Abstimmung des deutschen Bundestags über die Verlängerung der Griechenland-Hilfen am Freitag.

"Die Griechenland-Politik der Bundesregierung kann man mögen oder ablehnen", erklärte Konken weiter. Es sei auch "selbstredend", dass Boulevard-Medien einen anderen journalistischen Stil pflegten. Die Selfie-Aktion überschreite "aber die Grenze zur politischen Kampagne". Es sei zudem "medienethisch bedenklich", ein ganzes Volk für die finanzpolitischen Fehlentscheidungen seiner Politiker zu diffamieren.

Stolz auf die Aktion scheint "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann zu sein. Via Twitter verkündete er eine "Rekord-Teilnehmerzahl", ohne diese näher zu definieren.

Dass eine "Bild"-Kampagne nach Kritik nicht so einfach ein abruptes Ende findet, ist so klar wie das Amen im Gebet. Am Freitag legte das Boulevardblatt noch einmal nach, indem es einige Fotos der Aktion aufs Cover hievte. Und wieder stolz: Chefredakteur Kai Diekmann.

Die Berliner "Tageszeitung" (taz) sorgt für das Kontrastprogramm.

(APA, red, 26.2.2015, Update: 27.2.2015)

  • Selfies nach der "Bild"-Aktion.
    foto: screenshot/bild.de

    Selfies nach der "Bild"-Aktion.

Share if you care.