Alijew: Anwälte zweifeln an Suizid

26. Februar 2015, 12:58
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Die kasachische Botschaft bietet Mithilfe bei weiteren Untersuchungen zum Tod des Ex-Botschafters an

Astana/Wien – Nach der Obduktion des ehemaligen kasachischen Botschafters in Wien, Rakhat Aliyev, der am vergangenen Dienstag erhängt in seiner Einzelzelle in der Justizanstalt Josefstadt aufgefunden wurde, wird die Leiche von der Staatsanwaltschaft Wien vorerst nicht freigegeben. Das gab der stellvertretende Behördenleiter und Mediensprecher Gerhard Jarosch bekannt.

Umfassende Untersuchung

Grund dafür ist, dass die Anklagebehörde den Todesfall umfassend untersuchen lassen will. "Das soll perfekt gemacht werden", betonte Jarosch. Die Ermittlungen würden in enger Absprache mit dem Justizministerium und der Oberstaatsanwaltschaft Wien erfolgen. Auch für Anregungen seitens der kasachischen Behörden und der Rechtsvertreter Aliyevs sei man offen, sagte Jarosch: "Wir machen alles, was möglich ist. Die Kosten spielen dabei keine Rolle. Wir wollen uns später nicht allfälligen Vorwürfen aussetzen, es sei irgendetwas unterlassen worden."

Rechtsvertreter zweifeln an Suizid

Üblicherweise wird bei gerichtlichen Obduktionen der Leichnam 24 bis 36 Stunden danach freigegeben. Im Fall Aliyev hat das vorläufige Obduktionsergebnis vorerst keine Hinweise auf ein Fremdverschulden ergeben. Die Staatsanwaltschaft geht daher von einem Selbstmord aus, der allerdings von den Rechtsvertretern des Ex-Diplomaten angezweifelt wird. Diese fordern unter anderem die Überprüfung der bisherigen Obduktionsergebnisse durch einen zweiten, unabhängigen Sachverständigen. Die Anklagebehörde steht diesem Ansinnen nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber, ließ Jarosch durchblicken.

Mulbinden stammen aus der Krankenabteilung

Die Mullbinden, mit denen Aliyev sich aus Sicht der Staatsanwaltschaft und der Vollzugsdirektion an einem Kleiderhaken im Nassbereich seiner Zelle erhängt haben soll, stammten aus der Krankenabteilung der JA Josefstadt, wo der herzkranke Ex-Diplomat untergebracht war. Dort können sich die Häftlinge relativ frei bewegen, Aliyev wäre es daher leicht möglich gewesen, die Mullbinden unbemerkt an sich zu bringen.

Tagebücher

Die Staatsanwaltschaft bestätigte außerdem, dass in der Zelle Aliyevs tagebuchartige Aufzeichnungen in kyrillischer Schrift gefunden wurden. In diesem Tagebuch soll - so zumindest die Aussage eines Chefinspektors der Polizei - Aliyev ihm im Gefängnis widerfahrene Einschüchterungsversuche festgehalten haben. "Die Aufzeichnungen werden selbstverständlich übersetzt und ausgewertet", sagte Jarosch. Offen ist, ob sich daraus Rückschlüsse gewinnen lassen, die zur eindeutigen Klärung der Todesursache beitragen. Abschiedsbrief hat Aliyev keinen hinterlassen.

Botschaft will Ermittlungen unterstützen

Der Kommentar der kasachischen Botschaft zum Tod ihres ehemaligen Vertreters in Österreich, Rakhat Aliyev, ist kurz und bündig: Die kasachischen Behörden bestünden "auf ausführliche und objektive Untersuchung der Todesursachen" und hätten ihre Beteiligung daran angeboten, "wenn die österreichische Seite das akzeptiert", heißt es am Donnerstag.

Die Botschaft habe die zuständigen österreichischen Behörden und Aliyevs Anwälte "über die Bereitschaft informiert, alle notwendigen in solchen Fällen konsularischen Handlungen durchzuführen und im ständigen Kontakt mit österreichischen Behörden zu bleiben". Bisher hätten sich die Angehörigen des Verstorbenen, insbesondere seine Witwe, nicht um Hilfe an die Botschaft gewendet. (APA, 26.02.2015)

  • Rakhat Aliyevs Tod soll weiter untersucht werden.
    foto: heribert corn

    Rakhat Aliyevs Tod soll weiter untersucht werden.

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