Krebs: Software für mehr Lebensqualität

26. Februar 2015, 10:04
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Innsbrucker Forscher entwickeln ein Computerprogramm zur Verbesserung der Kommunikation zwischen Patienten und Ärzten

Innsbruck - Im Schnitt erhalten täglich 104 Österreicher die Diagnose "Krebs". Wie fühlen sich diese Betroffenen? Wie schätzen sie selbst ihren Gesundheitszustand ein? Um diese Fragen zu beantworten, entwickeln Forscher der Medizinischen Universität Innsbruck gemeinsam mit einer IT-Firma eine Software.

"Mit diesem Computerprogramm wollen wir die Kommunikation zwischen Patient und Arzt, damit in weiterer Folge die Lebensqualität Krebskranker verbessern", sagt Bernhard Holzner von der Medizinische Universität Innsbruck.

Lebensqualitätsdaten erheben

Ein computer-adaptiver Fragebogen zur Erfassung der Lebensqualität soll nun helfen, routinemäßig unterschiedliche Belastungen und Probleme von Krebspatienten zu erheben.

"Lebenszeit ist äußerst wertvoll und begrenzt. Mit dieser Tatsache sind Krebskranke besonders konfrontiert. Zur personalisierten Therapie chronischer Erkrankungen wie Krebs ist deshalb auch eine zielgerichtete und auf den jeweiligen Kranken individuell abgestimmte Kommunikation notwendig", erklärt Holzner.

Konkret soll das so aussehen: Betroffene können den Fragebogen an einem Tablet-PC ausfüllen. Die daraus gewonnenen Informationen werden den Ärzten unmittelbar zur Verfügung gestellt. In diese bis 2017 laufende Studie werden über 500 Patienten an der Innsbrucker Klinik im Alter zwischen 18 und 80 Jahren mit unterschiedlichen Krebsdiagnosen sowie verschiedenen Behandlungs- bzw. Erkrankungsphasen eingebunden.

Subjektive Sicht der Betroffenen zählt

"Diese Selbsteinschätzungen mittels der Fragebögen sind für uns wertvolles Wissen. Wir können Patientengespräche zielgerichteter und damit wirkungsvoller gestalten. Das gesamte Team kann so die Therapie jeweils individuell anpassen. Selbstverständlich werden im gesamten Prozedere strenge Datenschutzrichtlinien eingehalten", sagt der Wissenschaftler.

Zur besseren Identifikation körperlicher und seelischer Symptome wird an der Innsbrucker Universitätsklinik für Biologische Psychiatrie sowie am Netherlands Cancer Institute in Amsterdam an der Festlegung so genannter "Schwellenwerte" für körperliche und seelische Beeinträchtigungen gearbeitet.

Klinisch relevante Beeinträchtigungen, wie z.B. der körperlichen Leistungsfähigkeit, Schmerzen oder Erschöpfung, sollen durch diese Daten besser erkenn- und behandelbar werden. Die Festlegung dieser Schwellenwerte basiert nicht nur auf dem Schweregrad. Sie fußt auch darauf, wie sich ein Symptom auf den Alltag und die subjektive Belastung Betroffener auswirkt.

Der in Innsbruck mitentwickelte computer-adaptive Fragebogen für Lebensqualität verwendet auf den jeweiligen Patienten zugeschnittene Fragen. Basierend auf den Antworten wird die sinnvollste nächste Frage ausgewählt. Dies erhöht die Messgenauigkeit und verringert die Gesamtzahl der Fragen an mitunter schwer kranke Menschen.

Das Projekt zielt außerdem darauf darauf ab, die anonymisierten Resultate mit Normdaten der österreichischen Bevölkerung abzugleichen. Die gesamte Forschung in diesem Bereich will laut den Forschern einzelnen Patienten eine Stimme geben und ein angemesseneres Bild von Krebserkrankungen und deren Behandlung ermöglichen. (red, derStandard.at, 26.2.2015)


Lebensqualitätsforschung in der Onkologie:

In der Onkologie werden seit den frühen 1990er-Jahren neben so genannten "harten Daten", wie medizinischen Befunden, auch Selbsteinschätzungen der Patienten bezüglich ihres Gesundheitszustandes zur Behandlungsplanung eingesetzt.

Durch den medizinischen Fortschritt ist bei einigen Krebsarten die Überlebensrate hoch. Betroffene leben mitunter lange Jahre mit ihrer Erkrankung, aber teilweise mit einer Reihe von Einschränkungen.

Die relativ junge Fachdisziplin der "Lebensqualitätsforschung in der Onkologie" untersucht, wie es diesen Menschen während ihrer Behandlung, aber auch auf lange Sicht geht. In diesem Bereich wird an der Innsbrucker Universitätsklinik für Biologische Psychiatrie seit über 20 Jahren geforscht.


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