Netanjahu verteidigt Wahlkampfrede vor US-Kongress

25. Februar 2015, 23:29
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Israelischer Ministerpräsident sieht keine andere Wahl

Washington/Jerusalem - Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat seine hinter dem Rücken der US-Regierung eingefädelte Rede vor dem Kongress in Washington verteidigt. Netanjahu sagte am Mittwoch bei einer Wahlkampfveranstaltung, er respektiere das Weiße Haus und US-Präsident Barack Obama. Aber er habe keine andere Wahl, als in die USA zu reisen und sich gegen ein Abkommen im Atomstreit mit dem Iran auszusprechen.

"Es ist meine Pflicht, alles für Israels Sicherheit zu tun", sagte er. Netanjahu spricht am kommenden Dienstag auf Einladung des republikanischen Mehrheitsführers im US-Repräsentantenhaus, John Boehner, vor beiden Kongresskammern. Weil seine Rede zwei Wochen vor den Parlamentswahlen in Israel stattfindet und gegen alle protokollarischen Gepflogenheiten ohne Unterrichtung von Obamas Regierung mit der Opposition vereinbart wurde, wollen Vertreter des Weißen Hauses und zahlreiche Kongressmitglieder von Obamas Demokraten Netanjahus Auftritt boykottieren. Ein separates Treffen mit demokratischen Senatoren lehnte der israelische Ministerpräsident seinerseits ab.

"Destruktiv"

Obamas Sicherheitsberaterin Susan Rice warf Netanjahu vor, mit seinem Verhalten den Beziehungen zwischen beiden Ländern zu schaden. Die Rede vor dem Kongress "ist nicht nur bedauerlich, sondern destruktiv für unser bilaterales Verhältnis", sagte Rice am Dienstag in einem Interview.

US-Außenminister John Kerry stimmte am Mittwoch in die Netanjahu-Kritik ein. Der israelische Ministerpräsident habe in der Vergangenheit nicht unbedingt außenpolitisches Gespür bewiesen. So sei Netanjahu einer der lautesten Befürworter des US-Einmarsches in den Irak im Jahr 2003 gewesen. Und jeder wisse, wozu diese Entscheidung geführt habe, sagte Kerry bei einer Anhörung im Repräsentantenhaus. (APA, 25.2.2015)

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