Sechs Monate bedingt für Islamisten in Wien

25. Februar 2015, 18:56
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Der 20-Jährige hatte auf Facebook für die IS-Miliz "geworben", er ist auch einer der Verdächtigen im Grazer Islamistenverfahren

Wien/Graz - Unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen hat am Mittwoch in Wien der Prozess gegen einen jungen Mann stattgefunden, der auf Facebook für die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) "geworben" hatte. Dass sich acht teilweise schwer bewaffnete und mit schwarzen Sturmhauben vermummte Justizwachebeamte im und vor dem Gerichtssaal postierten, hatte mit dem Verfahren nicht direkt zu tun.

Der 20-jährige Wiener befindet sich seit mehreren Wochen in Graz in U-Haft. Er ist einer der Verdächtigen im Grazer Islamistenverfahren und soll im Umfeld des Ende November festgenommenen Wiener Predigers Mirsad O. verkehrt haben, der als Imam unter dem Namen Ebu Tejma in der islamistisch ausgerichteten Altun-Alem-Moschee in Wien-Leopoldstadt tätig war. Der Gruppe wird unter anderem die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen - sie soll darauf angelegt gewesen sein, Kämpfer für den Bürgerkrieg in Syrien zu rekrutieren.

Gräueltaten

Zu diesen Vorwürfen wurde der Angeklagte am Wiener Straflandesgericht nicht befragt. Es ging stattdessen primär um sein für jedermann einsehbares Facebook-Profil, auf dem er Fotos von IS-Gräueltaten - etwa Bilder von abgeschlagenen und aufgespießten Köpfen - gepostet und mit zustimmenden Kommentaren versehen hatte.

Der Mann verwies zunächst darauf, er sei Kurde aus dem Irak und habe "bis 15, 16 nichts mit Religion zu tun gehabt". Dann sei er darauf gekommen, dass sich sein Freundeskreis aus "Drogendealern, Spielern und Idioten" zusammensetzte. Er habe sich von diesen ab- und "dem Beten zugewandt". Die inkriminierten Bilder nannte der Angeklagte "dumm, wirklich dumm". Aber er habe damit nur seine ehemaligen Freunde und Bekannten "provozieren" wollen: "Einem Menschen den Kopf abschneiden, das ist ekelerregend. Ich bin ein Mensch, der nicht einmal sein eigenes Blut sehen kann."

Richter Daniel Rechenmacher überzeugten diese Ausführungen nicht, er verurteilte den Angeklagten wegen Gutheißens einer mit Strafe bedrohten Handlung zu sechs Monaten Haft. Da er bisher unbescholten war, wurde ihm die Strafe auf drei Jahre bedingt nachgesehen, das Urteil ist nicht rechtskräftig. Auf die Frage des Richters, wie es mit ihm nun weitergehen solle, erwiderte der Mann: "Die Inhaftierung hat mir die Augen geöffnet." Er strebe nach seiner Entlassung einen Job als Personal Trainer in einem Fitnessstudio an. (APA, 25.2.2015)

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