Feuerwerk und Klangskulptur

25. Februar 2015, 18:05
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Pianist Alexander Gavrylyuk begeistert im Konzerthaus

Wien - Einen kurzen Gruß an Österreich stellte der in der Ukraine geborene, in Australien lebende Alexander Gavrylyuk an den Beginn: Mozarts Rondo D-Dur (KV 485) ließ er gerundet perlen, pianistisch vollkommen ausgereift. Über den Stil könnte man streiten, was angesichts eines Fünf-Minuten-Stücks aber lachhaft wäre - und vor allem im Lichte dessen, was danach kam. Denn eigentlich begann der Abend im Konzerthaus erst hernach so richtig, mit einem Feuerwerk der Virtuosität.

Nein, halt: Gavrylyuk hat sich differenziertere Worte verdient, und das geht nur über die Klangbilder, die er dem strahlenden Flügel entlockte - das Staunen über seine Technik muss daher zwischen den Zeilen Platz finden. Vielleicht genügt der Hinweis, dass die Entfesselung all seiner Energien auch nicht für eine Sekunde in den Verdacht geriet, an Kraftmeierei zu grenzen. Vielmehr stellte sich mit diesem Debüt ein Künstler vor, der den musikalischen Sinn noch der übersteigertsten Tondichte zu vermitteln weiß.

Die halsbrecherischen Variationen über ein Thema von Paganini von Johannes Brahms wirkten daher nicht wie die Demonstration wahnwitziger Fingerspiele, sondern als Folge markanter Charaktere, wobei der Pianist trotz größter Geschwindigkeit stets die gestalterische Kontrolle behielt. Und dies sowohl in der Linie als auch in der Vertikalen. Diese Durchdringung der Harmonik, das Austarieren von Akkorden und ihrer Beziehungen, ist vielleicht eine der gefährdetsten pianistischen Tugenden. Dass Gavrylyuk darüber in hohem Maß verfügt, zeigten auch sechs Stücke von Franz Liszt in der zweiten Programmhälfte: drei davon Bearbeitungen, womit auch eine Klammer zu Brahms' Paganini-Kommentaren geschaffen wurde. Wie er etwa im Mephisto-Walzer Nr. 1 (Der Tanz in der Dorfschenke) den Harmonien Gestalt verlieh, erinnerte an Skulpturen.

Mühelos verband der Musiker dabei hurtiges Figurenwerk mit dem Aufzeigen tieferer Schichten, formaler und tonaler Zusammenhänge. Und wie er zweimal Chopin als Zugabe spielte, demonstrierte Gavrylyuk in herrlichem Ausmaß Legato, Phrasierung, Spannung. Den Namen des 34-Jährigen wird man sich merken müssen - womöglich reicht der Mozart-Saal das nächste Mal schon nicht mehr aus. (Daniel Ender, DER STANDARD, 26.2.2015)

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