Künstlerische Tiefenbohrung am Bodensee

25. Februar 2015, 17:45
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Thomas D. Trummer will das Kunsthaus Bregenz zum Atelier für Prototypen machen

Bregenz - Thomas D. Trummer, designierter Direktor des Kunsthaus Bregenz (KUB), nähert sich seiner neuen Schaffensstätte. Sein Debüt in Bregenz gab der Nachfolger von Yilmaz Dziewior am Mittwoch nicht im KUB-Haupthaus, sondern im benachbarten Sammlungsschaufenster und lenkte damit die Aufmerksamkeit auf einen wesentlichen Aspekt des Kunsthauses, die Sammlungstätigkeit.

Den Rahmen für Trummers erste Pressekonferenz bildeten Entwurfszeichnungen des dänischen Künstlers Per Kirkeby. 1997 präsentierte das KUB Kirkeby in einer großen Personale, veröffentlichte ein umfassendes Werkverzeichnis zu Kirkebys Backsteinskulpturen und -architekturen. Kirkeby revanchierte sich mit einer Schenkung von über 200 Originalzeichnungen. Ab 27. Februar ist die Ausstellung Backstein: Skulptur und Architektur (Kurator Rudolf Sagmeister) im Sammlungsschaufenster zu sehen.

Thomas D. Trummer bescheinigt seinen Vorgängern kuratorischen Elan, das KUB sei eines der ersten Häuser geworden, "weltweit". Ab Mai wird Trummer versuchen "den Spagat zwischen Kontinuität und Neuausrichtung zu meistern". Mit dem Kunsthaus habe der Schweizer Architekt Peter Zumthor ein Manifest in der Stadt geschaffen, das Gebäude eigne sich wie kaum ein anderes für "waghalsige Ideen, als Atelier für Prototypen", sagt Trummer.

Der 47-jährige Steirer, seit 2012 künstlerischer Leiter der Kunsthalle Mainz, will die KUB-Tradition der Auftragsarbeiten forcieren. Das Zumthor-Haus brauche ein maßgeschneidertes Programm. Kunst aus Kisten auszupacken, sei ohnehin nicht seine Sache. Trummer versteht Ausstellungen als "Tiefenbohrungen in Geschichte, Identität und Politik des jeweiligen Ortes": "Kunst muss aus dem Ort heraus entstehen, muss Reize, Geschichten aufgreifen. Erst dann wird sie einmalig."

Eine, die in situ arbeitet, hat Trummer für 2016 eingeladen: Susan Philipsz. Die schottische Künstlerin, Turner-Preisträgerin 2010, setzt sich in ihren, an spezifischen geografischen Orten installierten Klanginstallationen, mit der menschlichen Stimme, mit Lebenssituationen und -gefühlen auseinander. Mehr wollte der neue Direktor über sein erstes Programm noch nicht verraten. (jub, DER STANDARD, 26.2.2015)

  • Thomas D. Trummer will waghalsige Ideen für Bregenz.
    foto: todorovic/kub

    Thomas D. Trummer will waghalsige Ideen für Bregenz.

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