Die Kunst übernimmt das pochende "Reiningherz"

25. Februar 2015, 17:33
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Während es medial ruhig um Reininghaus ist, rauchen im Hintergrund kreative Köpfe. Eine Gruppe von Kunst- und Kulturschaffenden und Soziologen arbeitet an unkonventioneller Stadtentwicklung. Ihre Ideen sollen in Verhandlungen mit Investoren einfließen.

Graz - Gemeinschaftsgärten, urbanes Campieren auf dem Boden und auch auf den Dächern, künstlerische Interventionen, Multikulti-Märkte, Tauschbörsen, Cafés, Restaurants, Künstleratelier, Kinderbetreuungseinrichtungen: Die Liste der Ideen, die Grazer aus den Bereichen Kunst, Kultur, Architektur und Soziologie erdacht haben, ist lang. Auf dem 54 Hektar großen Areal der ehemaligen Brauereigründe sollte alles Platz haben. Und transparent und offen soll der dort entstehende Lebensraum im Westen von Graz werden.

Mut und Beteiligung

"Das kann ein Stadtteil werden, der Graz als Stadt auf eine andere Ebene hebt", sagt Andrea Redi, Architektin, Sprecherin des Kulturbeirates der Stadt und Teil der "StadtdenkerInnen", die sich seit Herbst 2014 intensiv mit Reinighaus beschäftigen, "es braucht Mut und Beteiligung".

Die Ideen der Gruppe, die als Initiative des Kulturbeirats entstand und sich alle zwei Wochen in der Freizeit quasi aus Leidenschaft traf, könnten nun tatsächlich umgesetzt werden. Denn die "interdisziplinäre Denkfabrik" wurde in der Folge auch zu gemeinsamen Veranstaltungen wie dem Kultur-Dialog der Grazer Kulturstadträtin Lisa Rücker (Grüne) eingeladen. Im Oktober wurde - ohne FPÖ-Stimmen - im Gemeinderat beschlossen, dass die Stadt künftig die Ergebnisse dieses Kultur-Dialogs in Planungen miteinbezieht. Der Soziologe Rainer Rosegger machte zuletzt eine Bedarfserhebung in Sachen Kunst und Kultur in Reinighaus, die Rücker heute, Donnerstag, im Gemeinderat präsentiert.

In dem Papier sind die teils unkonventionellen Ideen zusammengefasst. Dass Kunst in Reinighaus einen permanenten Raum besetzen soll, war von Anfang an, als der 2014 verstorbene Unternehmer Ernst Scholdan das Areal 2004 kaufte, wie die Vision des Ökostadtteils fix - aber "nicht als Behübschung, wie Redi betont.

Umfassender Kulturgedanke

Für Redi und ihre Mitdenker aus der Offenen Reininghausgesellschaft, dem Forum Stadtpark, dem Haus der Architektur sowie freien Theatern und Kunstinstitutionen ist der Kunst- und Kulturgedanke ein umfassender. Ausstellungsräume, Bühnen, oder Proberäume und Ateliers sind teilweise bereits vorhanden. Die Vision geht weit darüber hinaus. Schon die Baustellen des Areals, auf dem es strenge Vorgaben für die Investoren hinsichtlich der Grünraumerhaltung und reduzierter Autostellplätzen gibt, sollen bespielt werden. Die Gruppe will einen Ort, an dem das "Reinigherz" schlägt, auf dem Areal, so Redi, eine Agora, wo sich alle einbringen können, was auch Rücker unterstützt.

Redi ist auch nach Gesprächen mit Investoren optimistisch: "Man weiß den Mehrwert, der hier entsteht, zu schätzen." Vieles steht und fällt allerdings mit der Anbindung durch eine Straßenbahn. Bisher fährt nicht einmal ein Bus bis ganz zum Areal. Mit der Straßenbahn und einem Stück zu Fuß braucht man derzeit vom Hauptplatz fast eine halbe Stunde. Das Verkehrsreferat liegt in FPÖ-Hand, die "wenig Engagement zeigt", bedauert Rücker, die dafür ihren Exkoalitionspartner ÖVP lobt. Und: "Zumindest die Planung der Bim ist jetzt beschlossen", sagt Rücker, "bis zum Bau können da aber noch viele Jahre vergehen" . (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 26.2.2015)

  • In der denkmalgeschützten Mälzerei könnte das denkende Herz von Reininghaus auch pochen. Die interdisziplinäre Denkfabrik "StadtdenkerInnen" will eine Agora installieren, wo man sich austauscht.
    foto: elmar gubisch

    In der denkmalgeschützten Mälzerei könnte das denkende Herz von Reininghaus auch pochen. Die interdisziplinäre Denkfabrik "StadtdenkerInnen" will eine Agora installieren, wo man sich austauscht.


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