Raiffeisen vor Problemen in Polen

25. Februar 2015, 17:13
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Polnische Aufsicht gefährdet Schrumpfkur der RBI

Wien - Die Diät, die sich die Raiffeisen Bank International nach einem Verlust 2014 von 500 Millionen. Euro verschrieben hat, gestaltet sich schwierig: Konkret stößt der geplante Verkauf der polnischen Tochter Polbank auf massiven Widerstand. Die Finanzmarktaufsicht des Landes, KNF, hat ein Verfahren eingeleitet, an dessen Ende die RBI-Stimmrechte bei der Polbank ruhend gestellt würden.

Die RBI hat die Bank 2012 gekauft und mit ihrer seit 1991 aktiven Polen-Tochter fusioniert. Beim Kauf der Polbank haben die Österreicher der polnischen Aufsicht KNF versprochen, 15 Prozent bis Mitte 2016 an die Börse zu bringen. Zudem war in Aussicht genommen, die in Wien notierte RBI bis 2018 auch an der Warschauer Börse zu listen.

Aufsicht will Mitbestimmungsrecht

Die Aufsicht in Warschau wolle sich mit den angedrohten Sanktionen ein Mitbestimmungsrecht beim Verkauf der Polbank sichern, wird dieser Schritt bei den Aufsehern in Wien (FMA und Nationalbank) und Frankfurt (EZB) interpretiert. Sie sollen den Schritt der Polen als Überreaktion auf den geplanten Rückzug der RBI interpretieren. Die Raiffeisen Bank International hat auf die Schwierigkeiten mit der polnischen Aufsicht bereits in einem Prospekt-Update hingewiesen. Ein Sprecher meint im Gespräch mit dem STANDARD, dass man das Verfahren als "vorsorglichen Schritt" der KFN werte. RBI geht davon aus, dass die Schritte "keine Auswirkungen auf den Verkaufsprozess haben" werden.

Das sehen manche Beobachter anders. Dem Vernehmen nach soll nämlich der Verkauf an bereits im Lande tätige Banken unterbunden werden, was den Interessentenkreis und den erhofften Kauferlös über dem Buchwert einschränken würde. Als Kandidatin gilt beispielsweise die Bank-Austria-Mutter Unicredit, die in Polen mit ihrer Tochter Pekao stark vertreten ist. Auch die französische Société Générale gilt als interessiert. Der Firmenwert der Polbank wird von RBI-Kreisen mit 197 Millionen Euro beziffert.

Erst nach Börsengang Verkauf

Offiziell hat die KNF schon vorige Woche alle Banken daran erinnert, ihre Verpflichtungen einzuhalten. Demnach könne die Polbank erst nach einem Börsengang verkauft werden. Der angedachte Ausweg: Der Erwerber könnte die Verpflichtung zum Börsengang übernehmen, oder man könne an eine bereits in Warschau notierte Gesellschaft verkaufen. All das könnte ein allfälliger Bescheid der KNF erschweren, wenn nicht verunmöglichen.

Auch in Frankfurt stehen wichtige Entscheidungen an. Die EZB entscheidet über die neuen Eigenkapitalquoten (Srep-Ratio) für die RBI. Deren Vorhaben, aliquot für 2014 die Dividende fürs Partizipationskapital zu zahlen (64 Millionen Euro an den Staat, 40 Millionen an Private), dürfte sie per Bescheid untersagen. Entgegen ihrem Plan soll die Osteuropabank für 2014 auf Gruppenebene auch keine Boni auszahlen dürfen. (Renate Graber, Andreas Schnauder, DER STANDARD, 26.2.2015)

  • Bei Raiffeisen hat sich die Aussicht auf eine rasche Reduktion des Geschäftsvolumens verschlechtert. Der wichtigste Schritt, die Abgabe der Polbank, wird von der Aufsicht in Warschau erschwert.
    foto: reuters/heinz-peter bader

    Bei Raiffeisen hat sich die Aussicht auf eine rasche Reduktion des Geschäftsvolumens verschlechtert. Der wichtigste Schritt, die Abgabe der Polbank, wird von der Aufsicht in Warschau erschwert.

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