Mitterlehner stellt neuen Forschungsaktionsplan vor

25. Februar 2015, 08:30
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Im Rahmen des "Jahres der Forschung" will der Wissenschaftsminister die Ressourcennutzung in der Forschung verbessern und Uni-Karrieren attraktiver machen

Wien - Ebenso bekannt wie wichtig klingen die Vorhaben, die Wissenschafts- und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner zum Inhalt seines neuen Forschungsaktionsplans gemacht hat: Bessere Ressourcennutzung, mehr wirtschaftlicher Output und Verbesserungen für Uni-Karrieren sind die Eckpunkte des Plans, den der ÖVP-Chef und Vizekanzler am Mittwoch in Wien präsentierte. Dieser sei Teil des "Jahres der Forschung", das Mitterlehner für heuer ausgerufen hat.

Unter Einbindung der Forschungscommunity und Akteuren aus der Wirtschaft wurde derForschungsaktionsplan vom Wissenschaftsministerium erarbeitet und soll in den nächsten zwei Jahren umgesetzt werden. Zusätzliche Budgetmittel sind damit nicht verknüpft - das Potenzial der Forschung optimal zu nutzen sei nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch, ob das System gut aufgestellt ist, meint Mitterlehner.

Neue Laufbahnstellen

Korrekturbedarf sieht er außerdem bei den Karrieremöglichkeiten für Wissenschafter. Rund 75 Prozent der wissenschaftlichen Mitarbeiter sind befristet beschäftigt und hätten nur geringe Aussichten auf fixe Anstellungen. Mitterlehner will dem entgegensteuern: in den kommenden Leistungsvereinbarungen zwischen Ministerium und den Unis und mit einer Novelle des Uni-Gesetzes. Die Kettenvertragsregelung soll geändert und international übliche Laufbahnstellen eingerichtet werden, um so den Anteil befristeter Stellen zu reduzieren.

Zudem werde die im Vorjahr angekündigte Änderung bei der Rot-Weiß-Rot-Karte derzeit verhandelt. Sie soll den Zuzug von Forschern aus Drittstaaten erleichtern. Ebenfalls werden Novellen im Stiftungsrecht verhandelt - 2016 sollen sie in Kraft treten und mehr privates Geld für Forschung bringen.

Geteilte Reaktionen

Die Reaktionen auf den Forschungsaktionsplan fallen gemischt aus: Industriellenvereinigung und Forschungsförderungsgesellschaft begrüßen ihn, Opposition und Studierende üben jedoch Kritik daran.

Die Universitätenkonferenz (Uniko) wertet den Plan als grundsätzlich "positives Signal". Für Uniko-Präsident Rektor Heinrich Schmidinger ist derzeit aber nicht erkennbar, wie das Konvolut an "Verbesserungsmöglichkeiten" umgesetzt werden soll - denn Dreh- und Angelpunkt sei dabei die"Finanzierungsfrage". Er gibt zu bedenken, dass bereits ein beträchtlicher Teil der Zusatzmittel von 615 Millionen Euro für die Leistungsvereinbarungen 2016 bis 2018 für Ärztegehälter aufzuwenden sind.

Grünen-Wissenschaftssprecherin Sigrid Maurer sieht den Plan als Versuch, von den "massiven Problemen der Uni-Finanzierung" abzulenken. Niki Scherak, Neos-Wissenschaftssprecher, vermisst "echt innovative Ansätze", und FP-Wissenschaftssprecher Andreas Karlsböck kann "keinen substanziellen Fortschritt" erkennen. Der Vorsitz der Hochschülerschaft sieht sich durch den Plan in der Befürchtung bestätigt, dass die Zusammenlegung von Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium eine "Bildungsökonomisierung" mit sich brächte. (Tanja Traxler, DER STANDARD, 26.2.2015)

  • Wissenschafts- und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner wünscht sich eine engere Verflechtung von Wissenschaft und Wirtschaft.
    foto: apa/hochmuth

    Wissenschafts- und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner wünscht sich eine engere Verflechtung von Wissenschaft und Wirtschaft.

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