Polen: Verhandlung über Polanski-Auslieferung hat begonnen

25. Februar 2015, 10:57
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Regisseur erschien vor Gericht - Internationaler Haftbefehl wegen mutmaßlichen Sexualdelikts

Krakau - Vor dem Bezirksgericht in Krakau hat die Verhandlung über den Antrag der US-Justiz auf eine Auslieferung des Star-Regisseurs Roman Polanski (81) begonnen. Das Gericht tagte am Mittwoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit, da auch Polanski zu den Vorwürfen der amerikanischen Staatsanwalt wegen eines Sexualverbrechens Stellung nehmen sollte. Der Regisseur war in der Früh vor Gericht erschienen.

Vor dem eigentlichen Verhandlungsbeginn hatte das Gericht entschieden, Medien und Publikum nur zu den Prozesstagen zuzulassen, an denen keine persönlichen Details zu Polanski zur Sprache kommen.

Die US-Staatsanwaltschaft hat einen internationalen Haftbefehl gegen Polanski wegen eines mutmaßlichen Sexualdelikts vor 38 Jahren beantragt. Ihm wird Vergewaltigung vorgeworfen - es geht um Sex mit einer 13-Jährigen im Jahr 1977. (APA, 25.2.2015)

Chronologie:

1977: In der Villa seines Freundes Jack Nicholson missbraucht Polanski in Los Angeles die 13 Jahre alte Samantha Gailey, heute Geimer. Der damals 43-Jährige bekennt sich schuldig und steht in Untersuchungshaft 42 Tage unter psychiatrischer Beobachtung.

1978: Weil ihm in den USA jahrelange Haft droht, setzt sich der Regisseur nach Frankreich ab. Für die US-Behörden gilt er seitdem als flüchtig, bei der Einreise in die USA droht ihm die Festnahme.

2005: Ein US-Richter erwirkt einen internationalen Haftbefehl. Da Polanski auch französischer Staatsbürger ist, muss er keine Auslieferung von dort befürchten.

September 2009: Bei der Einreise in die Schweiz wird Polanski verhaftet. Gegen die drohende Auslieferung legt er Widerspruch ein. Regisseure, Schauspieler und Autoren fordern seine Freilassung.

Oktober bis Dezember 2009: Die USA beantragen offiziell die Auslieferung. Der Oscar-Preisträger kommt gegen Kaution frei und steht zunächst unter elektronisch überwachtem Hausarrest.

Januar 2010: Samantha Geimer plädiert erneut dafür, das Verfahren einzustellen. Das Aufsehen um den Fall belaste ihr Familienleben. Ein kalifornischer Richter lehnt Polanskis Antrag auf eine Verurteilung in Abwesenheit ab. Er soll sich in den USA stellen.

April 2010: Auch ein Berufungsgericht in Los Angeles weist Polanskis Antrag zurück. Die Richter lehnen zudem Geimers Ersuchen ab.

Juli 2010: Die Schweiz entlässt den Regisseur aus dem Hausarrest, er wird nicht ausgeliefert. Die USA hätten die Schweizer Justiz mit ihrem Gesuch nicht überzeugen können, heißt es.

September 2013: Geimer veröffentlicht ihre Memoiren.

Oktober 2014: Polanski reist zur Eröffnung eines Museums nach Warschau. Noch am selben Tag bittet die US-Staatsanwaltschaft die polnischen Behörden um seine Festnahme. Polen weist das zurück.

Dezember 2014: Vor einem Gericht in Kalifornien scheitert Polanski erneut mit dem Antrag, das Verfahren einzustellen.

Jänner 2015: Die polnischen Behörden haben einen Auslieferungsantrag der US-Justiz erhalten, wie eine Sprecherin mitteilt. Die Krakauer Staatsanwaltschaft vernimmt den Regisseur, der in Polen einen Film drehen will.

  • Roman Polanski trifft am Krakauer Bezirksgericht ein.
    foto: reuters/pempel

    Roman Polanski trifft am Krakauer Bezirksgericht ein.

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