Wie wunderbar Wimpern wirklich sind

25. Februar 2015, 06:00
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Die Biomechanik von Wimpern blieb lange ein Rätsel - US-Forscher machten technisch nutzbare Entdeckungen

London/Wien - Vielleicht liegt es auch daran, dass wir sie nur dann sehen, wenn wir uns im Spiegel betrachten. Und selbst dann blicken viele von uns über die Wimpern meist hinweg, obwohl wir genau zwischen ihnen durchschauen. Die Wissenschaft hat sich bis jetzt jedenfalls erstaunlich wenig mit den leicht gebogenen Härchen am oberen und unteren Rand der Augenlider befasst, obwohl sie in der gesamten Tierwelt weit verbreitet sind.

Über menschliche Wimpern sind die wichtigen Fakten natürlich bekannt: Wir haben am oberen Augenlid rund 200 Härchen, am unteren etwa 100 weniger; die oberen sind mit rund zehn Millimetern Länge um rund drei Millimeter länger als die unteren. Ihre Lebensdauer beträgt im Normalfall etwas mehr als 100 Tage.

Doch was genau hat es mit der Biomechanik der Wimpern auf sich? Und welche Unterschiede gibt es zwischen den Wimpern verschiedener Tierarten? Diesen Fragen ist David Hu mit seinen Kollegen vom Georgia Institute of Atlanta erstmals systematisch nachgegangen. Und das, was sie herausfanden, lässt diesen perfekt angepassten Augenschutz in einem neuen Licht erscheinen.

Ein Drittel der Augenbreite

In einem ersten Schritt vermaßen Hu und sein Team die Wimpernlängen von 22 Säugetierarten - von Igeln bis Giraffen - und verglichen sie mit deren Augengrößen. Dabei zeigte sich, dass die Längen der Wimpern in allen Fällen ziemlich genau ein Drittel der Augenbreite betragen.

Dann ging es für die Studie, die nun im "Journal of the Royal Society Interface" erschien, in den Windkanal. Die US-Biomechaniker analysierten die Aerodynamik der Wimpern und kamen zum Ergebnis, dass deren Form, und vor allem deren Länge, den bestmöglichen Schutz für die Augenoberfläche bieten - bei minimalen Sichtbehinderungen sowie unter Erzeugung eines extrem geringen Luftstroms.

Wimpern in der optimalen Länge reduzieren sowohl das Auftreffen von Partikeln aus der Luft als auch die Verdunstungsraten der Augenflüssigkeit um 50 Prozent, schreiben die Forscher. Experimente mit Wimpern, die länger oder kürzer sind als ein Drittel der Augenbreite, haben hingegen weniger günstige Luftbewegungen erzeugt. Dazu sind Wimpern extrem leicht zu reinigen.

In den Augen der Forscher würden all diese Vorteile Wimpern zu einem Vorbild für den Schutz optischer Sensoren machen. (Klaus Taschwer, DER STANDARD, 25.2.2015)


Abstract
Journal of the Royal Society Interface: "Eyelashes divert airflow to protect the eye"

  • Giraffen haben lange Wimpern, weil ihre Augen so groß sind. Das Verhältnis der Wimpernlänge zur Augenbreite beträgt stets eins zu drei.
    foto: berit watkin

    Giraffen haben lange Wimpern, weil ihre Augen so groß sind. Das Verhältnis der Wimpernlänge zur Augenbreite beträgt stets eins zu drei.

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