Anstoß für EU-Mission in Zentralafrika kam aus Wien

25. Februar 2015, 07:00
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Vier Soldaten aus Österreich sollen an der Ausbildungsmission in Zentralafrika teilnehmen

Die Europäische Union wird in den kommenden Wochen eine neue EU-Militäraktion in der vom Bürgerkrieg zerrissenen Zentralafrikanischen Republik starten können, die einen auslaufenden Eufor-Einsatz ablösen wird. Auch Österreich wird sich diesmal - neben einigen EU-Partnern mit Frankreich als Führungsmacht in Afrika - beteiligen.

Der Ministerrat hat den Einsatz von vier österreichischen Soldaten bereits bestätigt. Wie es in Brüssel am Dienstag hieß, komme der Beteiligung Wiens große Bedeutung zu. Und zwar insofern, als sie Bewegung in die Sache gebracht habe, nachdem es nach dem politischen Beschluss der Außenminister Probleme gegeben hatte, entsprechende Truppen auf die Beine zu stellen. Verteidigungsminister Gerald Klug hatte sich zuletzt beim informellen Ministertreffen in Riga bereiterklärt, den Stillstand zu überwinden. Die Mission soll aus rund 60 Soldaten bestehen, Paris schickt ein Drittel davon. Daneben werden auch die Niederlande, Polen, Spanien und Portugal, wahrscheinlich auch Serbien und Georgien als assoziierte Staaten teilnehmen, erfuhr der Standard aus Sicherheitskreisen in der EU-Hauptstadt.

Erinnerungen an den Tschad

Österreich hat bereits vor sieben Jahren bei einem Tschad-Einsatz erste Afrikaerfahrungen gemacht. Die jüngste EU-Aktion in dem vom Bürgerkrieg zerrissenen Land namens Eumam ist eine "Military Assistance Mission" für die Regierung, um in den Krisenregionen Stabilität zurückzugewinnen. Militär, Polizei und Justiz sollen gestärkt werden.

Damit wird versucht, eine modifizierte Strategie zu wählen, die auf präventive Stärkung von Regierungen im Kampf gegen Umstürze und islamistische Angriffe abzielt. Man hofft darauf, dass dies ein Modell sein könnte, um der wachsenden Zahl an Flüchtlingen aus dem zentralafrikanischen Raum nach Europa besser zu begegnen. Zuletzt hatte es so ausgesehen, als könnte dies nicht stattfinden.

Der spezielle Beitrag der Österreicher soll in den Bereichen Informationsauswertung und Krisenfrüherkennung bestehen. Die von der UN gestützte Mission ist vorläufig auf zwölf Monate geplant und sollte bereits Anfang März starten. Ob dies angesichts der Probleme bei der Vorbereitung klappt, scheint noch ungewiss. Einsatzort ist die Hauptstadt Bangui. Zentralafrika ist nach dem Übergreifen der Konflikte im benachbarten Darfur und Tschad und einem Staatsstreich von Seleka-Rebellen im Sommer 2013 ins Chaos gestürzt. Nach einem ersten Eingreifen Frankreichs beschloss der UN-Sicherheitsrat einen UN-Einsatz von 7000 Soldaten, um die Angriffe auf Zivilisten zu unterbinden. (Thomas Mayer aus Brüssel, DER STANDARD, 25.2.2015)

  • Trotz leichter Beruhigung wurden auch in den vergangenen Monaten Tausende bei Kämpfen in Zentralafrika verwundet oder mussten fliehen. Eine neue EU-Mission soll helfen, die Lage zu stabilisieren.
    foto: ap / jerome delay

    Trotz leichter Beruhigung wurden auch in den vergangenen Monaten Tausende bei Kämpfen in Zentralafrika verwundet oder mussten fliehen. Eine neue EU-Mission soll helfen, die Lage zu stabilisieren.

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