Das Material, aus dem die Räume sind

1. März 2015, 11:30
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An der FH Burgenland will man erfahrbar machen, wie sich Raumklima und Baumaterialien auswirken

Eisenstadt - Wohnen und schlafen, arbeiten und lernen: Der Alltag der Menschen spielt sich zum Großteil in geschlossenen Räumen ab. Ihre Beschaffenheit entscheidet maßgeblich über unsere Lebensqualität. Darüber hinaus bestimmt die Technik, die die Gebäude prägt, über unseren Energie- und Ressourcenverbrauch mit.

Über diese Zusammenhänge kann man nicht früh genug Bescheid wissen. Am Department Energie-Umweltmanagement der FH Burgenland hat man deshalb das Projekt "Wie wohnen wir wirklich?" ins Leben gerufen, das Kindern und Jugendlichen verschiedener Altersstufen Wissen in den Bereichen Energie- und Wasserversorgung, Raumklima und Baumaterialien vermitteln soll.

Im Raum wohl fühlen

"Es geht um einfache Dinge. Dinge, die man sonst nicht beachtet", erklärt Projektleiterin Hildegard Gremmel-Simon. "Woraus besteht das Schulgebäude? Wie viel Wasser verbrauche ich? Unter welchen Bedingungen fühle ich mich in einem Raum wohl?" Bei den jungen Menschen soll Bewusstsein geschaffen werden, welche Faktoren das Leben "drinnen" beeinflussen.

Im Zug des Projekts bereiteten FH-Studenten gemeinsam mit Schülern der HTL Pinkafeld und der Bundesanstalt für Kindergartenpädagogik Hartberg "Forschungseinheiten" vor; Experimente und Übungen, die erfahrbar machen sollen, welche Auswirkungen eine gute Dämmung hat, warum man kein Wasser verschwenden sollte oder wie sich Feuchtigkeit in den Wänden festsetzen kann. Alle Lehrinhalte stehen in engem Zusammenhang mit den Forschungsbereichen des Departments Energie-Umweltmanagement der FH Burgenland.

Wärmeabstrahlung eines Hauses wird simuliert

Die Projektteilnehmer haben beispielsweise eine Vorrichtung konstruiert, mit der sich die Wärmeabstrahlung eines Hauses simulieren lässt. Verschiedene Materialien, die beim Hausbau eine Rolle spielen, werden längere Zeit moderater Wärme ausgesetzt. Dabei wird etwa offensichtlich, wie sehr Beton die Wärme aufnimmt. Styropor lässt der Wärmeeinfluss dagegen relativ kalt.

Eine andere Forschungseinheit sieht vor, die Bedingungen in einem Raum längere Zeit mit einem CO2-Datenlogger aufzuzeichnen. Die gewonnenen Informationen machen anschaulich, wie schnell Atemluft verbraucht wird und wann gelüftet werden soll. "Für uns war es ein großer Lernprozess, theoretisches Wissen anschaulich und sichtbar aufzubereiten", sagt die Projektleiterin. "Wenn wir die relative Luftfeuchtigkeit an der Tafel erklären, bleibt bei vielen nicht so viel hängen."

Erarbeitete Inhalte werden von Schüler zu Schüler weitergeben

Eine Besonderheit des Projekts ist, dass die erarbeiteten Inhalte im Kaskadenprinzip von Schüler zu Schüler weitergegeben werden. Die Projektteilnehmer aus der HTL besuchen Neue Mittelschulen, um die Forschungseinheiten vorzustellen. Von dort werden ausgewählte Kandidaten in Volksschulen entsandt, um an Projekttagen ihr neu erworbenes Wissen weiterzugeben. Und die Volksschüler geben das - erneut entsprechend aufbereitete Wissen - an die noch Jüngeren im Kindergarten weiter. Insgesamt nehmen an dem Projekt an die 200 Schüler aus neun burgenländischen Schulen teil.

Das System profitiere davon, dass einander die Kinder und Jugendlichen, die das Gelernte untereinander weitergeben, näherstehen, sagt Gremmel-Simon. Selbst in die Rolle des Lehrenden zu schlüpfen, mache Schülerinnen und Schüler stolz und selbstbewusst. Manch einem würden Lehrerphrasen wie "Jetzt wiederholen wir noch einmal alle" entschlüpfen. "Auch Kinder, die weniger interessiert sind, freuen sich, etwas weitergeben können. Auf der anderen Seite lernen die Jüngeren von Vertretern jener Schulen, in die sie selbst vielleicht einmal gehen wollen", sagt Gremmel-Simon. "Die Situation ist für die Beteiligten motivierend."

Ergänzt werden die Projekttage mit Exkursionen zu Unternehmenspartnern wie Herz Energietechnik oder der Öko-Baumfirma Kardea, wo man gemeinsam Abgasmessungen vornimmt und nachhaltige Baumaterialien kennenlernt. Finanziert wurde das Projekt im Rahmen des Programms "Talente regional" des Infrastrukturministeriums und der Forschungsförderungsgesellschafft FFG, das jungen Menschen naturwissenschaftliche und technische Themen schmackhaft machen soll. (pum, DER STANDARD, 25.2.2015)

  • Das Projekt fragt auch nach Bausubstanz in Schulgebäuden.
    foto: newald

    Das Projekt fragt auch nach Bausubstanz in Schulgebäuden.

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