US-Band Spain: Aus dem Dunkel der Nischen

24. Februar 2015, 17:08
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Die Band ist derzeit auf kleiner Österreichtour und noch in Ebensee und Wörgl zu sehen

Wien - Sie ziehen die Weile der Eile ganz klar vor. Immer schon. Zwischendurch drücken sie zwar einmal an, aber das ist nur relativ zu verstehen. Wer sich im unteren Tempo eingerichtet hat, dem erscheint die mittlere Geschwindigkeit bereits halsbrecherisch. Außerdem geht mit der Geschwindigkeit ein Gutteil der Wirkung verloren, und das darf nicht sein, denn die US-amerikanische Band Spain zählt zu den großen Zeitlupenkaisern des Fachs.

Gebeserltes Schlagzeug, behäbiger Bass, darüber ein paar ins Herz treffende Gitarrenlicks sowie der intim produzierte Gesang Josh Hadens reichen aus. Damit hat die Band ab 1995 beständig ihren Fanblock vergrößert. Immerhin fielen bei diesem Ansatz Jahrhundertsongs ab wie Untitled #1, das von Johnny Cash, den Soulsavers sowie den norwegischen Balladengöttern Midnight Choir übernommene Spiritual oder Everytime I Try, das der deutsche Regisseur Wim Wenders für seinen Film The End of Violence verwendet hat.

spain (the band)

Sechs Alben hat die aus Los Angeles stammende Band bisher veröffentlicht. Das Letzte davon, Sargent Place, führt sie nun auf Europatournee. Diese Woche gastieren Spain im Kino Ebensee (Freitag, 27. 2.) und im Astner Saal in Wörgl (Samstag, 28. 2.).

Nach einigen Jahren Pause zu Beginn der Nullerjahre reformierte sich die Band und veröffentlichte ab 2007 neue Alben. Als Hafen dafür fand Josh Haden, Sohn des im Vorjahr verstorbenen Jazzbassisten Charlie Haden, das deutsche Label Glitterhouse, auf dem die letzten drei Alben des Quartetts veröffentlicht wurden. The Morning Becomes Eclectic Session präsentiert die Band am Zenit ihrer Kunst, ein Livemittschnitt aus einem Studio, der die Konzertqualitäten der Band widerspiegelt.

spain (the band)

Ästhetik aus dem Film noir

Ihre Balladen tauchen Spain in die Sümpfe des weißen Soul, verschleppen die Aufregung ins Hypnotische, verschlurfen ihre Coolness in spätnächtliche Gefilde, dorthin, wo der Film noir seine Geschichten aus der Gosse aufliest. Aus dessen Ästhetik entliehen Spain meist die Covermotive ihrer Alben. Das Licht schummrig, die Stimmung gedrückt, die Geschichten realistisch-pessimistisch. Es ist eine große Kunst, die Spain so aus kleinen Nischen ins Halbdunkel unserer Wahrnehmung ziehen. (Karl Fluch, DER STANDARD, 25.2.2015)

  • Die US-Band Spain ist zurzeit auf einer kleinen Österreichtour. Noch zu sehen ist sie im Kino Ebensee und im Astner-Saal von Wörgl.
    foto: glitterhouse

    Die US-Band Spain ist zurzeit auf einer kleinen Österreichtour. Noch zu sehen ist sie im Kino Ebensee und im Astner-Saal von Wörgl.

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