Pflegeroboter und weltweite Streik-Sensoren

24. Februar 2015, 18:18
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Das Informatics Innovation Center der TU Wien versucht Wissenschaft und Wirtschaft zusammenzuführen

Wien - Wissenschafter betreiben oft schlechtes Marketing und denken nicht an die Verwertung ihrer Arbeit. Zu ihrem eigenen Nachteil - mögliche gute Ideen fallen so unter den Tisch und finden keine Finanzierungspartner. "Vor allem Techniker vertrauen auf die scheinbar selbstredend guten Ergebnisse und denken, dass sie automatisch 'entdeckt' werden", beschreibt Birgit Hofreiter, Leiterin des Informatics Innovation Center (i²c) der Technischen Universität Wien, das Problem. In den meisten Fällen ist das eine naive Erwartung. Um das zu ändern, haben wurde die i²c StartAcademy ins Leben gerufen.

Bei dieser dreitägigen Veranstaltung, die vorige Woche in Wien zum ersten Mal stattfand, sollen Wissenschaft und Wirtschaft zusammengeführt werden. Forschungsergebnisse und Doktoratsthemen werden auf ihre Umsetzungstauglichkeit überprüft, Ideen und Projekte werden potenziellen Geldgebern vorgestellt und an die österreichische Wirtschaft weitergeleitet.

Damit diese Überprüfungen aber nicht nur Trockentraining sind, werden die Ergebnisse in der sogenannten Pitch Challenge dem Realitätstest unterzogen: Die Teilnehmer der Academy präsentieren ihre Projekte vor privaten und öffentlichen Investoren, die somit die Möglichkeit haben, die Ideen im Einsatz erleben und bewerten zu können. "Es hat sich dabei einmal mehr gezeigt, dass die Welt außerhalb der TU Wien keine Ahnung hat betreffend Qualität, Leistung und Möglichkeiten unserer Fakultäten. Diejenigen, die Innovationen scouten, waren begeistert davon, was sie zu sehen bekamen", sagt Hofreiter.

Verwertung der Doktorarbeit

Die vorgestellten Projekte wurden mit einem der gesponserten Awards prämiert. So bietet etwa der i²c-Award nach Abschluss des Doktorats eine Anstellungsverlängerung um drei weitere Monate, um sich in dieser Zeit ausschließlich auf die Verwertung des Ergebnisses der Doktorarbeit konzentrieren zu können.

Beispiele für ausgezeichnete Projekte sind "Hobbit - The Home Robot", ein Roboter, der bei der Pflege von älteren Menschen zu Hause eingesetzt werden soll, "Michelangelo", ein Programm zum Modellieren von 3-D-Architektur für Filme und Spiele, oder "StrikeSensor", eine Anwendung, die anhand von Twitter-Daten weltweit Streiks aufspürt und so Unternehmen, die etwa von vom Streik betroffenen Zulieferern abhängig sind, hilft, schnell darauf zu reagieren. Zusätzlich zu den Auszeichnungen und Preisen bietet i²c interessierten Studierenden und Wissenschaftern unterschiedliche Programme mit praxisnahem Wissen an, das ermöglichen soll, Ideen nicht nur zu entwickeln, sondern in Folge auch durch eine externe Finanzierung umsetzen zu können.

Dazu gehören wirtschaftliches Denken, Marketing, rechtliche Rahmenbedingungen und ein spezielles Pitch-Training, das Wissenschafter oft vor große Probleme stellt, sagen die Organisatoren, weil es sich von der gewohnten wissenschaftlichen Präsentation erheblich unterscheidet.

Das Bewusstsein für diese Art der Verbindung von Start-ups und Geldgebern ist offenbar noch nicht wie gewünscht ausgeprägt: "Das Curriculum, die i²c StartAcademy, die öffentliche Vorlesungsreihe an der TU sowie noch folgende neue Konzepte werden von einer Vollzeit- und einer Teilzeitkraft bewältigt. Um das ganze Potenzial ausschöpfen zu können, braucht es weitere Mitarbeiter, Raum und die nötige finanzielle Unterstützung", fordert Hofreiter. Immerhin kam Wien in einem Ranking der Plattform Tech Cocktail in den USA auf Platz sechs der Top-Ten-Start-up-Städte weltweit - die Voraussetzungen für die Gründung erfolgreicher Start-ups scheinen also gegeben. (Armin Fluch, DER STANDARD, 25.2.2015)

  • Der Roboter "Hobbit - The Home Robot", der bei der Pflege von älteren Menschen zum Einsatz kommen soll, ist eine der Entwicklungen, die bei der StartAcademy des Informatics Innovation Center an der TU Wien prämiert wurde. Der Award soll dabei helfen, Wissenschaft und Wirtschaft zu vernetzen.
    foto: tu wien

    Der Roboter "Hobbit - The Home Robot", der bei der Pflege von älteren Menschen zum Einsatz kommen soll, ist eine der Entwicklungen, die bei der StartAcademy des Informatics Innovation Center an der TU Wien prämiert wurde. Der Award soll dabei helfen, Wissenschaft und Wirtschaft zu vernetzen.

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