Schnecken halten bereits als Embryos einiges aus

1. März 2015, 14:48
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Schneckenembryonen produzieren vom ersten Tag ihrer Entwicklung an Schutzproteine gegen Schwermetallbelastung

Innsbruck/Wien - Weichtiere können so einiges Aushalten. Schnecken sind beispielsweise in der Lage, vorübergehende extreme Umweltbedingungen wie Sauerstoffmangel, Hitze, Kälte oder Trockenheit ohne größere Probleme wegzustecken; darüber hinaus kommen sie auch mit Schadstoffen gut zurecht. Dass Schnecken schon während der Embryonalphase hart im Nehmen sind, hat nun ein österreichisch-französisches Forscherteam nachgewiesen. Die Wissenschafter berichtet im Fachjournal "Plos One", dass Embryonen von Weinbergschnecken bereits vom ersten Tag ihrer Entwicklung an Schutzproteine gegen Schwermetalle produzieren.

Schnecken haben nach Angaben der Wissenschafter seit Beginn ihrer Entwicklung im Kambrium - vor etwa 600 Millionen Jahren - ihren Bauplan wenig verändert. Dagegen konnten sie ihren Stoffwechsel an viele, auch extreme Lebensräume, wechselnde Umwelt- und Klimabedingungen im Meer sowie an Land anpassen.

Dazu haben sie offensichtlich Abwehrmechanismen gegen Stress entwickelt, die bereits in einem sehr frühen Stadium ihrer Entwicklung wirksam sind, wie Reinhard Dallinger vom Institut für Zoologie der Universität Innsbruck und seine französischen Kollegen an zwei in Mitteleuropa vorkommenden Weinbergschnecken-Arten (Helix pomatia und Cantareus aspersus) zeigen konnten.

Wirksame Entgiftung

Sie setzten frisch gelegte Schneckeneier einer erhöhten Cadmium-Belastung in Form einer Lösung aus und analysierten dann die Anreicherung mit dem giftigen Schwermetall in den Embryonen sowie die Stressantwort. Es zeigte sich, dass diese bereits am ersten Tag ihrer Entwicklung in der Lage sind, erhöhte Cadmium-Konzentrationen durch körpereigene Eiweißstoffe - sogenannte Metallothioneine - zu binden und zu entgiften. Im Laufe ihrer embryonalen Entwicklung passen sich die Tiere immer besser an die Metallbelastung an und produzieren verstärkt Varianten dieser Proteine, um unterschiedliche Metalle spezifisch binden zu können.

Für Dallinger ist es "angesichts des Klimawandels und zunehmender Umweltprobleme von Bedeutung, besser verstehen zu lernen, wie sich diese Lebewesen bereits in ihrem frühen Entwicklungsstadium gegen Umwelt-Stress zu wehren wissen". (APA/red, derStandard.at, 1.3.2015)

  • Schnecken kommen mit extremen Umweltsituationen erstaunlich gut zurecht. Hohe Schwermetallbelastungen können selbst einen Tag alte Weinbergschneckenembryos kaum etwas anhaben.
    foto: apa/expa/ johann groder

    Schnecken kommen mit extremen Umweltsituationen erstaunlich gut zurecht. Hohe Schwermetallbelastungen können selbst einen Tag alte Weinbergschneckenembryos kaum etwas anhaben.

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