Red Bull sieht mit Leipzig kein Licht

24. Februar 2015, 12:34
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Red Bull muss seine Hoffnungen auf ein baldiges Engagement im deutschen Fußball-Oberhaus begraben

Leipzig - Das erste Tor bedeutete den ersten Punkt in der Ära Achim Beierlorzer. Der neue Trainer des vom österreichischen Getränkehersteller Red Bull gesponserten deutschen Zweitligisten RB Leipzig brach nach dem 1:1 bei Eintracht Braunschweig dennoch nicht in Jubelstürme aus. "Es ist keine Situation, in der man nach oben schielt", sagte der Coach weitgehend emotionslos. Immerhin hatten die, wie es in einer deutschen Agenturmeldung hieß, "finanziell gut gemästeten Roten Bullen" dank einer engagierten Schlussphase die dritte Niederlage in Serie vermieden.

Doch nur ein Sieg bei den Niedersachsen hätte noch einmal zu Aufstiegshoffnungen berechtigt. Und an den glaubten die Leipziger Profis noch nicht einmal selbst, wie Torschütze Dominik Kaiser (84.) unumwunden einräumte: "Wir wollten nicht verlieren, und das ist uns gelungen." Tabellenplatz acht sowie acht Punkte Rückstand zu den Rängen zwei und drei sind angesichts der Leistungsschwankungen wohl eine zu schwere Hypothek. Auch beim Auftritt in Braunschweig pendelte das Spielniveau der Gäste ständig hin und her, was auch Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick nicht verborgen blieb. "Man hat gesehen, wie Fußball mit dieser Mannschaft aussehen kann. Aber erst sollte sie einmal wieder ein Spiel gewinnen."

Dies hat sich auch Beierlorzer zum Ziel gesetzt - alles schon mit Blick auf die neue Saison, in der der ambitionierte Klub erneut und mit garantiert noch mehr finanziellem Aufwand und frischem Personal den Bundesliga-Aufstieg anpeilen wird. "Es geht um mehr Selbstvertrauen. Und das soll sich die Mannschaft mit Siegen und tollem Fußball gegen Spitzenmannschaften holen", betont der Fußball-Lehrer.

Rangnick wirkt eher resigniert. Die Millioneninvestitionen der Winterpause sind, scheint's, wirkungslos verpufft. Mit aller Macht und viel Geld wollte RB Leipzig nach der Hinrunde noch einmal angreifen. Rangnick und Geldgeber Red Bull möchten möglichst schnell in die erste Liga, nach dem Kauf von sündhaft teuren Stürmern wechselten sie nach nur einem Rückrundenspiel auch noch flott den Trainer aus.

Nun sieht es sehr danach aus, als müsste Leipzig mit den drei österreichischen Legionären Stefan Hierländer, Niklas Hoheneder und Georg Teigl auch in der kommenden Saison an kalten Montagabenden antreten. Vor allem die erste Spielhälfte in Braunschweig war aus Leipziger Sicht desaströs, die Gäste waren mit dem 0:1 überaus gut bedient, Rangnick musste zugeben: "Das hätte auch anders ausgehen können." Leipzig wirkte eher wie ein Abstiegs- denn ein Aufstiegskandidat.

Die im Sommer aus der dritten Liga aufgestiegenen Leipziger haben den weiteren Durchmarsch abgehakt. "Wenn man die Tabelle anschaut, muss man sich keine Gedanken darüber machen", bestätigt Beierlorzer. Die erhoffte Wende mit dem Nachfolger des geschassten Alexander Zorniger blieb aus. Besonders enttäuschend war der neu zusammengekaufte Millionen-Sturm. Ex-Austria-Torjäger Omer Damari und Emil Forsberg, die in der Winterpause mit dem Red-Bull-Geld für mehr als acht Millionen Euro verpflichtet wurden, zeigten in Braunschweig kaum Zweitliga-Tauglichkeit und konnten sich gegen die ersatzgeschwächte und nicht eingespielte Eintracht-Abwehr nicht durchsetzen.

Rangnick hat ob der Tabellenlage genügend Zeit, um den nächsten Umbruch einzuleiten. Mag sein, er sucht schon den nächsten Trainer. Thomas Tuchel, von Mainz aufs Abstellgleis gestellt, steht parat. (sid, APA, fri, DER STANDARD, 25.2.2015)

  • Die Red-Bull-Arena in Leipzig trägt ihren Namen seit 1. Juli 2010. Das RB in RB  Leipzig steht freilich für RasenBallsport, weil eine Namensgebung zu  Werbezwecken im deutschen Fußball unzulässig ist.
    foto: apa/dpa/woitas

    Die Red-Bull-Arena in Leipzig trägt ihren Namen seit 1. Juli 2010. Das RB in RB Leipzig steht freilich für RasenBallsport, weil eine Namensgebung zu Werbezwecken im deutschen Fußball unzulässig ist.

  • Ralf Rangnick, derzeit auch in Salzburg tätig, konzentriert sich bald auf  Leipzig - in der zweiten Liga.
    foto: epa/barbara gindl

    Ralf Rangnick, derzeit auch in Salzburg tätig, konzentriert sich bald auf Leipzig - in der zweiten Liga.

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