FIFA-Taskforce löst großes Kopfschütteln aus

24. Februar 2015, 10:09
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Fußball-WM in Katar soll November/Dezember 2022 gespielt werden, die finale Entscheidung fällt im März - Europas Fußballligen sind entrüstet

Doha – Die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar soll im November und Dezember 2022 stattfinden. Die Taskforce des Fußball-Weltverbandes (FIFA) hat sich auf ihrer Sitzung in Doha am Dienstag für diesen Termin ausgesprochen, der von der FIFA-Exekutive am 19./20. März noch abgesegnet werden muss. Das Turnier soll außerdem um einige Tage verkürzt, aber weiterhin mit 32 Teams und 64 Spielen ausgetragen werden. Die AFP meldete unter Berufung auf eine dem Weltverband nahe stehende Quelle den genauen Zeitrahmen: 26. November bis 23. Dezember.

Nach einem sechsmonatigen Konsultationsprozess sei der Termin der "brauchbarste" gewesen und habe die volle Unterstützung von allen sechs Kontinentalverbänden, teilte die FIFA in einer Stellungnahme mit. Es habe nach all den Diskussionen nur diese Lösung gegeben, betonte FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke. Der andere mögliche Winter-Termin im Jänner und Februar wäre etwa in erheblichem Maß mit den zeitgleich stattfindenden Olympischen Winterspielen kollidiert.

In einer FIFA-Mitteilung hieß es, dass "der Vorschlag die Unterstützung aller sechs Kontinentalverbände" habe. Die UEFA teilte etwa mit, "dass wir die Entscheidung begrüßen, die WM im Winter auszutragen. Das ist das Beste für Spieler und Fans." Eine Verlegung der eigenen Wettbewerbe stehe für die UEFA derzeit nicht zur Debatte.

Europas Ligen entrüstet

Weniger glücklich ist Frederic Thiriez, Präsident der Europäischen Profifußball-Ligen (EPFL) und der französischen Profiliga (LFP), er reagierte mit Kopfschütteln: "Stellen Sie sich vor, was in Frankreich, in Deutschland, in Spanien, in Italien los sein wird. Man wird Anfang November die Ligen nach 13 oder 14 Runden unterbrechen. Und man wird zwei Monate später weitermachen."

Diese Tatsache habe weitreichende Folgen. "Während dieser Zeit werden die Spieler nicht spielen, die Clubs werden keine Einnahmen mehr haben, die Fußballfans werden um die nationalen Wettbewerbe gebracht und die Fernsehsender werden wütend sein und Entschädigung verlangen", erklärte Thiriez.

Auch Premier-League-Boss Richard Scudamore ist ob der Pläne "sehr enttäuscht". Der BBC sagte der Brite am Dienstag in einer ersten Reaktion: "Das ist enttäuschend. Es ist die falsche Entscheidung. Wir sind von der UEFA im Stich gelassen worden."

Klubs wollen Entschädigung

Die europäischen Vereine haben durch ihre Vertreter bereits Entschädigungsansprüche angemeldet. Die Neu-Terminierung stelle "eine sehr schwierige und anspruchsvolle Aufgabe dar", betonte Karl-Heinz Rummenigge, Vorsitzender der europäischen Club-Vereinigung ECA. Den Vereinen und Ligen könne "nicht zugemutet werden, allein den Preis für die Verlegung der FIFA-WM in den Winter zu bezahlen. Wir erwarten ebenso die seriöse Bereitschaft, den Schaden für die Clubs fair zu kompensieren", stellte Rummenigge klar.

Hohe Temperaturen

Seit Monaten hatte es große Diskussionen um den Termin der WM-Endrunde gegeben. Eine Austragung wie üblich in den Sommermonaten ist aufgrund der hohen Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius im Schatten nicht praktikabel. Zuletzt war auch Jänner/Februar 2022 im Gespräch, allerdings würde dieser Termin mit den Olympischen Winterspielen kollidieren. Das Olympia-Spektakel soll vom 4. bis 20. Februar 2022 stattfinden.

Auch der Alternativvorschlag der europäischen Clubs und Ligen, die WM von Ende April bis Ende Mai auszutragen, erwies sich nicht als Ideallösung. Auch in diesem Zeitraum wäre mit hohen Temperaturen zu rechnen gewesen, außerdem beginnt 2022 der islamische Fastenmonat Ramadan am 2. April. (APA/sid/red, 24.2.2015)

Gewinner und Verlierer des Winter-Termins im Überblick:

GEWINNER:

  • Spieler: Den Spielern bleiben - speziell in den Trainingsquartieren - Sommer-Temperaturen um 40 Grad Celsius erspart. Im Winter herrschen stattdessen in Katar moderate Temperaturen von bis zu 25 Grad.

  • IOC: Als Alternative war auch der Jänner/Februar 2022 im Gespräch. Dann wäre die Fußball-WM mit den Olympischen Winterspielen kollidiert. Das Winterspektakel soll vom 4. bis 20. Februar in Almaty oder Peking ausgetragen werden.

  • Sommersportverbände: Eine Fußball-WM im Sommer hatte bisher alles überlagert. Sportarten wie der Radsport mit der Tour de France im Juli oder Tennis mit dem legendären Turnier in Wimbledon Ende Juni/Anfang Juli profitieren von einer WM am Jahresende.

VERLIERER:

  • Vereine: Die Top-Clubs müssen in einer Zeit, in der Hochbetrieb im Club-Fußball herrscht, fast zwei Monate ihre Topspieler an die Nationalmannschaften abstellen. Entsprechend fordern die Vereine eine Entschädigung. Eine Winter-WM werde das Vereinsgeschäft beeinflussen, sagte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. "Diese Kosten können nicht durch die Clubs bezahlt werden."

  • Europäische Top-Ligen: Sie müssten ihren Spielplan komplett ändern. So müsste etwa die deutsche Bundesliga von Ende Oktober bis in den Jänner hinein pausieren. In England würde beispielsweise der Boxing Day (26. Dezember), einer der lukrativsten Spieltage des Jahres, am zweiten Weihnachtsfeiertag wegfallen.

  • UEFA: Die Geldmaschine Champions League müsste ihren Spielplan ebenfalls umkrempeln. Im November/Dezember fallen normalerweise die Entscheidungen in der Gruppenphase.

  • FIFA: FIFA-Chef Joseph Blatter wird die Schatulle für Kompensationszahlungen an die Ligen und Vereine für seinen Terminwunsch öffnen müssen. Dazu kommen die bereits seit Jahren anhaltenden Negativ-Schlagzeilen wegen der Katar-WM.

  • Wintersportverbände: Im November/Dezember laufen hochkarätige Wintersport-Veranstaltungen bereits auf vollen Touren. Damit wird es zu Interessenskollisionen kommen.

  • TV-Markt: In den USA ist im November/Dezember American-Football-Time. Das Sommerloch im US-Sport wäre für den übertragenden US-Sender Fox lukrativer. Für die TV-Anstalten in England ist der Boxing Day am 26. Dezember ein wesentlicher Bestandteil.

  • Fans: Ein Sommermärchen bei Grillwetter wird es nicht geben. Beim Public Viewing sind dann Schal und Handschuhe beim Punschstand gefragt.
  • Das Lusail Iconic Stadium soll 86.250 Plätze bieten.
    foto: apa/epa

    Das Lusail Iconic Stadium soll 86.250 Plätze bieten.

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