Sonnenfinsternis könnte Stromnetz erschüttern

23. Februar 2015, 20:35
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Deutschland, Italien und Frankreich besonders stark betroffen

Strom/Astronomie/APG/Wien - Eine partielle Sonnenfinsternis am 20. März könnte das Management des europäischen Stromnetzes auf die Probe stellen: Europas Netzbetreiber bereiten sich darauf vor. Bei sehr sonnigem Wetter wird die Stromeinspeisung aus Photovoltaik-Anlagen wegen der Verfinsterung zunächst deutlich sinken und dann wieder ansteigen. Bei bewölktem Himmel werden die Auswirkungen auf das Stromnetz eher gering sein.

Für Österreich sieht der Übertragungsnetzbetreiber APG angesichts einer installierten Photovoltaik-Leistung von rund 800 Megawatt (MW) keine Probleme, wenn an einem sonnigen 20. März 50 bis 60 Prozent dieser Kapazität weggehen, wie APG-Vorstand Gerhard Christiner sagte. Das könne mit dem normalen Regelenergievolumen kompensiert werden. Die partielle Sonnenfinsternis wird zwischen 9:30 Uhr und 12 Uhr über Österreich ziehen.

Was die Sonnenfinsternis von einem normalen Sonnenunter- und -aufgang unterscheidet ist die Schnelligkeit, mit der die Solarkapazität abgefahren und dann wieder hochgefahren wird. Der Vorteil sei, dass das Ereignis bekannt und damit für die Stromnetzbetreiber sehr gut planbar sei, so Christiner. Man sei sehr gut vorbereitet.

Angesichts des mit rund 39.000 Megawatt (MW) hohen Anteils an installierter Photovoltaik-Leistung (PV) in Deutschland sowie in Italien und Frankreich stelle die partielle Sonnenfinsternis eine große Herausforderung dar, betonen die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber. Sie bereiten sich mit verstärkten Bemühungen um Reserven zum Ausbalancieren von starken Netzschwankungen und Schulungen von Mitarbeitern in Netzleitstellen vor, teilten die Unternehmen 50 Hertz, Amprion, Tennet und Transnet am Montag laut der Nachrichtenagentur AFP mit. Bei sehr sonnigem Wetter wird die Sonnenstromeinspeisung sinken und dann steigen - und zwar um die Leistung von 19 Großkraftwerken.

Flexible Anlagen

Der an der Strombörse vermarktete Sonnenstrom müsse während dieser beiden Phasen durch viele flexible Erzeugungsanlagen vollständig ausgeglichen werden. Daher wollen die Übertragungsnetzbetreiber für die Zeit der Sonnenfinsternis mehr sogenannte Regelenergie beschaffen, um so die Schwankungen zwischen Stromangebot und -nachfrage auszugleichen.

Österreich und Deutschland sind ein Marktgebiet mit regem Stromhandel. Christiner verweist auf die geplanten pro-aktiven Maßnahmen in Deutschland bezüglich Regelenergie und erwartet keine Probleme. Zum Einsatz kommen könnten allenfalls österreichische Pumpspeicherkraftwerke, die sich gut für kurzfristige Strombeschaffung eignen.

Laut dem Verband Europäischen der Übertragungsnetzbetreiber ENTSOE-E könnten bei klarem Himmel am 20. März um die 35.000 Megawatt (MW) an installierter Solarenergie weggehen, wie es heute in einer Pressemitteilung heißt. Das entspreche fast 80 mittelgroßen konventionellen Kraftwerken.

Die letzte vergleichbare Sonnenfinsternis fand im Mai 2003 statt, die übernächste wird erst im August 2026 zu beobachten sein. (APA, 23.2.2015)

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