Graben in Gruben

Kolumne23. Februar 2015, 18:50
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Als ein Bergmann namens Fet-Mats Israelsson einst in die Faluner Kupfergrube stieg, konnte er nicht wissen, dass er, wie es ein Wissenschafter auszudrücken beliebte, für eine der bekanntesten Kombinationen von Literatur und anorganischer Chemie sorgen würde.

Der junge Mann, dem ein Mädchen namens Margaret Olsdotter versprochen war, blieb durch ein Unglück im Berg - quasi mit Margarets Bild im Herzen, die Haue in der Hand, er hielt sie noch, als man ihn deutlich später wiederfand. So deutlich später, dass ihn keiner mehr kannte, obwohl, oh Wunder, der Tote in der Erd', ein Jüngling war, und ganz und gar unversehrt. Das Volk lief zusammen, das Wunder zu sehen, in Reihe eins kam eine Alte namens Margaret zu stehen. Die hat ihn erkannt, ihren Fet-Mats, mit einem Aufschrei sank zu ihm sie nieder und koste noch schnell Israelssons sich an der Frischluft nun zusehends verändernde Glieder.

Der prosaische Chemiker spricht von der Konservierung des Leichnams durch Kupfervitriol. Das ist zum Beispiel auch hervorragend dazu geeignet, Gurken beim Einlegen ihr leuchtendes Grün zu erhalten, was aber, überhaupt bei Verzehr der leckeren Gürkchen, höchst ungesund ist.

Genug des Abschweifens: Fet-Matsens nicht mehr sehr schöne Überreste wurden begraben, er selbst aber nicht vergessen. Schriftsteller der Romantik waren von dem Traumstoff, nun ja, wie besessen. Leute wie E. T. A. Hoffmann, Johann Peter Hebel oder Friedrich Rückert schrieben sich die Finger wund, über Fet-Mats, den Faluner Grubenfund. (Sigi Lützow, DER STANDARD, 24.02.2015

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