Alejandro González Iñárritu: Im fünften Anlauf zu dreifacher Oscar-Ehre

23. Februar 2015, 17:42
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Der mexikanische Regisseur war bereits mehrmals nominiert

Seine zweite Dankesrede in der Oscar-Nacht fiel schon recht launig aus: "Glücksbringer wirken", meinte Alejandro González Iñárritu. "Ich habe bei anderen Gelegenheiten schon ein Raymond-Carver-Hemd und einen Billy-Wilder-Schlips getragen. Diesmal musste Michael Keatons enge Wäsche herhalten - eng, ja, aber effektiv."

In Händen hielt der Birdman-Macher - nach der Trophäe fürs beste Originaldrehbuch, die er mit drei Koautoren teilte - da bereits die Goldstatuette für die beste Regie. Eine Würdigung, zu der im Hinblick auf seine Mitbewerber anzumerken sei, dass "wahre Kunst, wahrhaftiger individueller Ausdruck weder verglichen, noch bewertet oder gar besiegt werden kann."

Birdman, das dynamische, komische Ensemblestück hinter den Kulissen einer Broadwayproduktion, war nicht der erste Oscar-Anwärter des 1963 in Mexiko-Stadt geborenen Iñárritu. 2000 war das Regiedebüt des vormaligen Radiomachers nominiert: das Episodendrama Amores Perros nach einem Drehbuch von Guillermo Arriaga - als bester fremdsprachiger Film (wie noch einmal Biutiful elf Jahre später). 2004 standen für 21 Gramm seine Darsteller Naomi Watts und Benicio del Toro auf der Kandidatenliste. Mit Babel durfte sich Iñárritu 2007 erstmals in sieben Kategorien Hoffnungen machen, darunter auch Regie und bester Film. Prämiert wurde nur die Musik.

Insofern blieb die 87. Oscar-Gala spannend, nachdem Favorit Birdman schon mehrfach übergangen worden war, brachte der Kamerapreis für Emmanuel Lubezki Bewegung in die Sache. Und eine gute Stunde später setzte Iñárritu zum ersten Dank an.

Am Ende des triumphalen Abends scherzte er dann schon, vielleicht werde die Regierung der Academy im nächsten Jahr Einwanderungsbestimmungen auferlegen, weil: "schon wieder ein Mexikaner" abräumte. Im Vorjahr hatte Alfonso Cuaróns Gravity die Oscars dominiert - und Laudator Sean Penn begrüßte Iñárritu heuer mit: "Wer hat diesem Typen die Greencard gegeben?"

Den Preis für den besten Film widmete der Regisseur, der mit seiner Frau und zwei fast erwachsenen Kindern in Los Angeles lebt, seinen mexikanischen Landsleuten "in Mexiko" und der Hoffnung, dass es gelänge, dort eine Regierung aufzubauen, die ihrer würdig sei - aber auch den heutigen Zuwanderern und dem Andenken jener Einwanderern, die diese "großartige immigrant nation", die USA, mit aufgebaut haben. (Isabella Reicher, DER STANDARD, 24.2.2015)

  • "Birdman"-Regisseur Alejandro González Iñárritu.
    foto: reuters/danny moloshok

    "Birdman"-Regisseur Alejandro González Iñárritu.

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