Nordische Marktführer aus Oberösterreich: Auf den Skiern von Fischer

24. Februar 2015, 08:00
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Fast vier Fünftel der bisher in Schweden vergebenen Medaillen gingen an Fischer-Athleten

Falun - Vor zwei Jahren, bei der nordischen WM in Val di Fiemme, beging Mario Stecher einen Tabubruch. Der Kombinationsveteran übte öffentlich Kritik an seinem Ausrüster Fischer. Renndirektor Gerhard Urain reagierte mit Rückendeckung seiner Vorgesetzten aufsehenerregend und feuerte den Steirer zornbebend via ORF.

"Heute würde ich die Sache anders handhaben", sagt Urain (42), der nach wie vor für das Rieder Familienunternehmen wirkt. Er hatte viel Kritik für seine robuste Reaktion einzustecken. "Wir hätten das intern regeln sollen."

Die damalige Reaktion ist allerdings bei Beleuchtung der Rolle, die Fischer im nordischen Sport spielt, auch nachvollziehbar. Die Firma ist erfolgsverwöhnt, derart, dass Kritik der eigenen Athleten verblüffen muss. Bei Olympia in Sotschi gingen 103 von 159 möglichen nordischen Medaillen an Fischer-Athleten. In Falun halten die Innviertler bei 42 von 56 möglichen Dekorationen. Salomon, Rossignol, Madshus (alle Langlauf), Elan und Fluege.de (Skisprung) blieb der Rest.

Hautevolee

Fischer schmückt sich mit den Stars der Szene wie dem Langlauf-Dreigestirn Therese Johaug, Marit Björgen und Petter Northug, dem Top-Kombinierer Eric Frenzel und den Skisprung-Assen Severin Freund und Gregor Schlierenzauer. Mehr als 300 Athleten rüstet die Firma aus, für weitere, weniger erfolgreiche, werden Pakete geschnürt, die Material zu Sonderkonditionen beinhalten.

Fischers nordische Überlegenheit ist auch historisch begründet. 1974, es war WM in Falun, revolutionierte das Unternehmen des Josef Fischer junior den Langlauf durch die Einführung der Kunststoffski. Die bis dahin unerreichten Holzski aus Skandinavien hatten gleichsam von heute auf morgen ausgedient. Ein Jahr später folgte der erste Sprungski ähnlicher Bauart.

"Die Entwicklung geht seither immer weiter", sagt Urain, der der Firma seit neun Jahren dient. Große Sprünge werden seltener, die letzte deutliche Innovation sei ein Verfahren, mit dem Skier und Beläge getrennt voneinander erzeugt werden können. Ziel sei die größtmögliche Kontrolle über die Veränderung des Materials während der Produktion. Nur so käme man zu dem, was in der Szene Klasse in der Masse genannt wird. Fischer, das sich eine eigene Entwicklungsabteilung mit 13 Mitarbeitern leistet - "Da sind wir die Einzigen", sagt Urain - reduziert so den Testaufwand. Es braucht weniger Ski, um die richtigen für den jeweiligen Sportler und die jeweiligen Verhältnisse zu finden.

Hoher Aufwand

Weniger ist allerdings relativ. In Falun hat Fischer neben 200 Paar Schuhen und 400 Bindungen 600 Paar Langlaufski am Start. Die im Vergleich dazu geringe Anzahl von Sprungski, nur 30 Paare, erklärt sich daraus, dass sie wesentlich individueller für die Athleten produziert werden. Ein Schlierenzauer bekommt pro Saison sieben bis acht Paar, erst die Sommerski, im November dann Winterlatten und nach der Vierschanzentournee noch adaptierte Geräte.

Der Aufwand ist hoch, auch wenn die Sportler das ganz große Geld nicht bei der Skifirma selbst verdienen, sondern dank der Erfolge, die sie auf deren Material feiern. Allen voran natürlich die skandinavischen Stars.

Die Werbung durch den Rennsport finanziert Fischer als nordischer Weltmarktführer - zuletzt hielt die Firma etwa bei Langlaufskiern bei mehr als 60 Prozent. 2013/14 sorgten 475 Mitarbeiter am Firmensitz in Ried und 1180 Menschen im westukrainischen Werk Mukatschewo für insgesamt 186,1 Millionen Euro Umsatz. In den vergangenen fünf Bilanzjahren wurden Gewinne geschrieben. "Jetzt wird das nicht mehr drin sein", sagt Urain. Der Hauptexportmarkt, Russland, ist wegen des Verfalls des Rubels infolge der politischen Krise um zwei Drittel eingebrochen. Fischer, das 1700 Paar Sprungskier erzeugt, musste die Produktion von Langlaufskiern von einer Million auf 600.000 Paar drosseln. An der sportlichen Klasse in Masse geht diese Entwicklung noch vorbei. (Sigi Lützow, DER STANDARD, 24.02.2015)

  • Von links oben nach rechts unten kommen sie in ähnlicher Lage und mit  vergleichbarem Material daher: Stefan Kraft, Taku Takeuchi, Carina Vogt,  Daniela Iraschko-Stolz, Bernhard Gruber, Kamil Stoch, Maren Lundby, Rune  Velta, Yuki Ito, Jacqueline Seifriedsberger, Akito Watabe, Eric Frenzel,  Noriaki Kasai, Roman Koudelka, Anders Bardal, Severin Freund.
    foto: apa/epa/suki apa/epa/jfk apa/epa/momot reuters/pfaffenbach

    Von links oben nach rechts unten kommen sie in ähnlicher Lage und mit vergleichbarem Material daher: Stefan Kraft, Taku Takeuchi, Carina Vogt, Daniela Iraschko-Stolz, Bernhard Gruber, Kamil Stoch, Maren Lundby, Rune Velta, Yuki Ito, Jacqueline Seifriedsberger, Akito Watabe, Eric Frenzel, Noriaki Kasai, Roman Koudelka, Anders Bardal, Severin Freund.

  • Marit Björgen, seit 1992 bei Fischer, küsst ihre Geräte mit gutem Grund.  Sie trugen sie zu bisher 30 Medaillen.
    foto: ap/schrader

    Marit Björgen, seit 1992 bei Fischer, küsst ihre Geräte mit gutem Grund. Sie trugen sie zu bisher 30 Medaillen.

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