Dorfladen bietet mehr als Lebensmittel

23. Februar 2015, 17:49
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50 Dorfläden erhalten in Vorarlberger Kleingemeinden die Nahversorgung aufrecht. Nun wollen sie stärker kooperieren

Dornbirn – Werner Schwendinger, Lebensmittelhändler in der Dornbirner Bergparzelle Watzenegg, hat das Adeg-Schild gegen ein neues Logo getauscht. "Dorf Laden" steht nun darauf zu lesen, ein stilisierter roter Einkaufskorb und ein Herz laden zum bewussten Einkauf.

Schwendinger wollte und konnte im Angebotswettbewerb der großen Handelskette nicht mehr mithalten. Er ist seit einem Jahr einer von 50 Vorarlberger "Ladnern", die in Kleingemeinden und Bergparzellen die Nahversorgung mit 148 Beschäftigen aufrechterhalten. Künftig wollen sie bei Einkauf und Werbung stärker kooperieren. Die Waren kommen zum Teil aus regionaler Produktion, "die werden besonders nachgefragt", sagt Schwendinger, "leider haben wir zu wenige Produzenten".

Zusatzservice der Kleinen

Die Dorfläden sind auch Orte der Begegnung mit Caféecken, dem Supermarkt im Tal haben sie besondere Zusatzleistungen voraus: Die Leute vom Dorfladen bringen den Einkauf ins Haus, "da bleibt auch Zeit für ein kurzes Gespräch", sagt Karl-Heinz Marent, der den Verein Dörfliche Lebensqualität und Nahversorgung managt. Zustellservice, Begegnung, aber auch das Anschreibenlassen sind für Marent die wesentlichen Qualitäten der kleinen Läden.

Land und Gemeinden unterstützen die Läden mit 1,2 Millionen Euro jährlich. Ohne Zuschüsse könnten die Kleingeschäfte, deren durchschnittlicher Gewinn vor Steuer schmale 14.000 Euro jährlich beträgt, kaum überleben.

Die Standortgemeinden unterstützen ihr "Lädile", indem sie Gebäude zur Verfügung stellen oder günstig vermieten. Ludwig Mähr, Vereinsobmann und Bürgermeister der Kleingemeinde Düns: "Der Dorfladen erspart viele Kilometer, die ökologischen Vorteile werden noch zu wenig gesehen." Das Interesse der Bevölkerung an Dorfläden ist groß. Pro Kopf gibt jeder Dorfbewohner 1.155 Euro pro Jahr beim Nahversorger aus. (Jutta Berger, DER STANDARD, 24.2.2015)

  • Dorfläden sind auch Orte der Begegnung.
    foto: verein dorfleben

    Dorfläden sind auch Orte der Begegnung.

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