Wenn die Radler zurückfalschparken

Kolumne23. Februar 2015, 17:28
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In Berlin wurde sehr bewusst in falscher Spur geparkt

Die Überraschung hielt sich in Grenzen. Schließlich ist dort, wo in Deutschland Radfahrer aufmucken, mit hoher Wahrscheinlichkeit Heinrich Stößenreuther mit von der Partie. Dass der Name des 47-jährigen Verkehrsrebellen Mitte Februar in etlichen Berliner Medienberichten auftauchte, war also logisch. Auch, dass Stößenreuther Adjektiva wie "zufrieden" zugeteilt wurden - während er "seinen" Stau beobachtete.

Der Erfinder der Falschparker-Anzeige-App "Wegeheld" (mit Österreichs "falschparker.cc" vergleichbar) hatte zum Falschparken geladen - und den "ersten internationalen Falschparkertag" proklamiert. Die Idee: Radfahrer sollten so verkehrsbehindernd halten und parken, wie es Autofahrer auf Radwegen mit der größten Selbstverständlichkeit - und meist ungestraft - tun.

Beamtshandlung

Das Setting: zehn Bikes (darunter eine Rikscha) im Frühverkehr vor einem beliebten Coffee-to-go-Shop, vor dem eigentlich Halteverbot herrscht, in zweiter Spur. Im Halteverbot und auf dem Radstreifen: Pkws.

Das Ergebnis: Verkehrskollaps in halb Kreuzberg. Binnen Minuten rückt die Polizei an - und bestätigt, was Radaktivisten seit jeher monieren: Die Radler werden beamtshandelt - die illegal parkenden und Radstreifen blockierenden Autos ignoriert.

Das Fazit: Das Thema ist platziert. Und alle Beteiligten wissen: Das war der Testlauf - und das "international" vor "Falschparkertag" ist als Ansage zu verstehen. Schließlich stehen Autofahrer nicht nur in Berlin auf dem Radweg oder in zweiter Spur. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD, 20.2.2015)

  • Diesmal waren nur zehn Räder beteiligt: So könnte es aussehen, wenn Falschparking als Trend um sich greift.
    foto: apa/deck

    Diesmal waren nur zehn Räder beteiligt: So könnte es aussehen, wenn Falschparking als Trend um sich greift.

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