Capitals installieren Jim Boni als Feuerwehrmann

23. Februar 2015, 12:04
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Wiener finden in sportlicher Krise rasch Ersatz für entlassenen Trainer Pokel – Meistermacher Boni kehrt zurück

Wien – Die Vienna Capitals reagieren auf die sportliche Krise, und sie reagieren schnell. Nur 48 Stunden nachdem der US-Amerikaner Tom Pokel als Headcoach entlassen wurde, präsentieren die Wiener bereits einen neuen Mann, aber eigentlich auch einen alten Bekannten. Jim Boni übernimmt das Kommando und kehrt nach Kagran zurück. Das sagte Capitals-General-Manager Franz Kalla zum STANDARD.

Bereits 2003 werkelte er kurzfristig als Trainer und führte die Capitals eine Saison später zu ihrem ersten und bisher einzigen Meistertitel.

Nach einem starken Saisonstart in der Erste Bank Eishockey Liga (EBEL) begaben sich die Wiener zuletzt auf totale Talfahrt. Acht der letzten zehn Spiele gingen verloren, in der Platzierungsrunde eilt man von Niederlage zu Niederlage. Für die Playoffs, die in zwei Wochen beginnen, ist man immerhin fix qualifiziert. Und im Eishockey kann bekanntlich auch auf dem Eis die Lage schnell ändern. "Es wäre absurd zu sagen, wir schmeißen diese Saison jetzt weg. Es ist absolut noch nichts verloren, wir werden in den Playoffs angreifen", sagt Kalla.

Atemlos

Geht eine Tür auf, geht eine andere zu. Das Kapitel Tom Pokel ist also vorbei, er war ausgebrannt. Negatives über den US-Amerikaner ist vonseiten des Vereins freilich nicht zu hören. "Zuerst der Meistertitel mit Bozen, dann mit dem italienischen Nationalteam zur WM nach Weißrussland und danach volley zu uns. Sein Programm war anspruchsvoll. Coachen im Eishockey ist aber Hochleistungssport, das geht ohne Pause nicht", sagt Kalla.

Es ist der erste vorzeitige Trainerwechsel in der Ära von Capitals-Präsident Hans Schmid, und das sei im Eishockey durchaus etwas besonderes, so Kalla. "Das ist meine siebente Saison bei den Caps, und das ist nicht unsere Philosophie. Wir gehen achtsam mit unseren Trainern um. Pokel wollte sein Burnout auch ehrlich in der Presse thematisiert haben."

Präsidiale Benchmarks

Die Euphorie im Wiener Eishockey, die war einmal. Der erste und einzige Meistertitel in 43 Jahren liegt schon wieder zehn Jahre zurück. Bei Capitals-Präsident Hans Schmid gibt es für einen Trainer ein paar fixe Vorgaben: Eine Platzierung unter den Top vier, Heimspiele gewinnen und ins Semifinale kommen. Unter Pokel wurde hervorragend gestartet (14 Siege in 17 Spielen) und mit dem Champions-League-Achtelfinale eine Duftnote gesetzt. "Nach dem Ausscheiden war die Euphorie draußen." Es folgten 14 Niederlagen in 25 Heimspielen, Verletzungspech, das Team sei auch teilweise an einer zu hohen Erwartungshaltung gescheitert.

Mit Jim Boni, der 2009 in Linz zuletzt eine Mannschaft trainierte und danach Sportdirektor in der deutschen Eishockeyliga bei Ingolstadt war, soll also die Kurve gekratzt werden. Vertraglich arbeitet er vorerst nur bis Saisonende mit und für die Capitals. Kalla: "Boni kennt die Liga, hat ähnliche Situationen schon erlebt. Für andere Vereine hätte er sich so kurzfristig nicht entschieden. Sein Herz schlägt aber für Wien." (Florian Vetter, derStandard.at, 23.2.2015)

  • Jim Boni hat dem Wiener Eishockey seinerzeit die schönsten Stunden beschert.
    foto: apa/fohringer

    Jim Boni hat dem Wiener Eishockey seinerzeit die schönsten Stunden beschert.

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