Britischer Leichenbeschauer warnt vor giftiger Kabinenluft

23. Februar 2015, 11:02
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Die als Nervengift bekannte Gruppe der Organo-Phosphate wird als Flammschutz in Triebwerksölen verwendet

Ein britischer Leichenbeschauer (Coroner) hat vor toxischen Dämpfen in Flugzeugen gewarnt. Wie die Zeitung "Daily Mail" und das österreichische Luftfahrtmagazin "Austrian Wings" am Wochenende berichteten, schrieb Sheriff Stanhope Payne, der den Rang eines Untersuchungsrichters einnimmt, an die Luftaufsichtsbehörde, dass sich Organo-Phosphate in der Kabinenluft nachweisen lassen.

Mögliche Schäden

Diese als Nervengift bekannte Gruppe von Chemikalien wird bevorzugt als Flammschutz und Weichmacher in Triebwerksölen verwendet. Insassen von Flugzeugen werden diesen Chemikalien ausgesetzt, was zu Gesundheitsschäden führen kann, folgerte Payne, der den Tod eines 43-jährigen Piloten der British Airways untersucht. Das Schreiben ging auch an die Luftlinie, die nun bis Mitte April Stellung nehmen muss.

Unabhängig von den noch festzulegenden Todesursachen des Ende 2012 verstorbenen Richard Westgate besteht nach Meinung des Leichenbeschauers die Gefahr, "dass es zu Todesfällen im Zusammenhang mit vergifteter Kabinenluft kommen kann, sollte hier nichts unternommen werden", berichtete "Austrian Wings".

Keine Messungen

Bisher gibt es in Flugzeugen keine eingebaute Sensoren, die solche Giftstoffe in der Kabinenluft messen, schrieb Payne. Und: "Die genetischen Unterschiede hinsichtlich der Toleranz oder Intoleranz gegenüber der Exposition mit solchen Giftstoffen bei Menschen wurden bisher nicht ausreichend gewürdigt."

British Airways hatte zuvor betont, man würde keine Flugzeuge in Betrieb nehmen, wenn man glaube, dass Passagiere und Crew einer Gefahr ausgesetzt sein könnten. "Kabinen sind Arbeitsplätze von mehr als 15.000 Mitgliedern der Crew und 3.500 Piloten von British Airways, und wir sehen keinen Trend bei den Erkrankungsraten, der auf eine Verbindung zur Kabinenluft-Streitfrage hinweist", wurde ein Sprecher in der "Daily Mail" zitiert. (APA, derStandard.at, 23.2.2015)

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