15 Prozent weniger Frauen bei Brustkrebskontrolle

23. Februar 2015, 08:33
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Programm "früh erkennen" läuft noch nicht wie gewünscht

Wien – Beim neuen Mammografie-Screeningprogramm nehmen 15 Prozent weniger Frauen teil als in den Vorjahren. Das Programm "früh erkennen" läuft seit Anfang 2014 auf Basis von Einladung der Frauen zu dieser Vorsorgemaßnahme. 601.000 Mammografien wurden in Österreich insgesamt durchgeführt, zwei Drittel davon im Rahmen des Projekts.

Laut der Projektverantwortlichen Romana Ruda von der Wiener Gebietskrankenkasse wurden im vergangenen Jahr insgesamt 600.858 Mammografien durchgeführt. Die Monats-Höchstzahl wurde im Mai 2014 mit knapp 57.000 erreicht. Mittlerweile erfolgen mehr als 60 Prozent der Mammografien im Rahmen des Screeningprogramms, bei dem symptomlose, gesunde Frauen untersucht werden. Dieser Anteil betrug im Juli, August und Dezember vergangenen Jahres bereits zwei Drittel.

86 Prozent der Hauptzielgruppe erreicht

Die Hauptzielgruppe der 45- bis 69-jährigen Frauen sei mit einem Anteil von 86 Prozent (40 bis 44 Jahre: vier Prozent; 70 Jahre und darüber: zehn Prozent) erreicht worden, so die Programmleiterin. 94 Prozent unauffälliger bzw. gutartiger Befunde, vier Prozent Veränderungen in der Brust, welche engmaschigere Kontrolle bedingen sollten, und ein Prozent verdächtige Befunde mit weiterer Abklärung würden den ursprünglichen Erwartungen entsprechen.

Im Rahmen des Programms erhält jede Frau zwischen 45 und 69 Jahren automatisch alle zwei Jahre eine persönliche Einladung zur Mammografie. Seit 1. Juli 2014 können Frauen dieser Altersgruppe aber auch mit ihrer E-Card zur Mammografie gehen, eine Einladung oder Zuweisung ist dann nicht mehr notwendig. Frauen im Alter 40 und 44 bzw. mit 70 Jahren oder älter können sich zur Teilnahme an dem Programm anmelden.

Defizite noch nicht augeholt

Anfang 2014 hat es heftige Kritik wegen mangelnder Beteiligung der Frauen an dem Programm gegeben. Ganz aufgeholt wurden die Defizite zu den vorangegangenen Jahren, als jeweils die Hausärzte und Gynäkologen Überweisungen zur Mammografie für ihre Patientinnen schrieben, allerdings offenbar noch nicht. Der Radiologe Franz Frühwald war von Anbeginn an der Entwicklung des Projekts wesentlich beteiligt. Er weist auf bestehende Mängel hin: Man "erwische" die Frauen der Altersgruppe, die am meisten von den Untersuchungen zur Brustkrebsentdeckung profitieren, derzeit noch nicht optimal.

Die Hoffnungen, wonach man mit den Einladungen vermehrt jene Frauen zu der Vorsorge-Mammografie bewege, die sich noch nie beteiligt hätten, hätten sich nicht bewahrheitet: "Wir sehen praktisch keine 'neu' hinzugekommenen Frauen." Hier geht es oft um sozial Benachteiligte, dem Gesundheitswesen eher fernstehende Personen, die unterdurchschnittlich versorgt sind.

21 Prozent weniger in Wien

Die Mammografiestatistik aus Wien zeigt für 2014 ein Minus von 21,5 Prozent an Mammografieuntersuchungen insgesamt. Frühwald: "Mit den endgültigen Zahlen dürften wir in Österreich um 16 bis 17 Prozent weniger Mammografien als zuvor haben." Romana Ruda: "Wenn man das Jahr 2011 als Vergleich heranzieht, liegen wir 2014 maximal um 14 Prozent niedriger." Mit 2013 könne man die Zahlen von 2014 überhaupt nicht vergleichen, weil ja die Brustkrebsfrüherkennung mit dem Programm völlig umgestellt worden sei. Außerdem hätte es bis Mitte 2014 noch Übergangsfristen und Änderungen an den Abläufen gegeben. Vorläufig sind die derzeitigen Daten für vergangenes Jahr deshalb, weil die an dem Programm teilnehmenden Radiologen noch bis Ende des ersten Quartals 2015 Nachmeldungen durchführen können.

Empfehlungen der Ärzte fehlen

Frühwald über die Gründe für die sinkende Beteiligung: "Was schmerzlich abgeht, ist die Empfehlung der Ärzte zur Mammografie. Das wären die Hausärzte und die Frauenärzte. Die befinden sich zum Teil in der inneren Emigration." Man habe diese Ärzte mit der Umstellung von den Früherkennungsüberweisungen zu den persönlichen Einladungen bei der Brustkrebsvorsorge "ausgebootet".

In Österreich erkranken pro Jahr rund 5.000 Frauen an Brustkrebs. Es gibt um die 1.600 Todesfälle. Die Früherkennung soll solche Erkrankungen im heilbaren und nicht metastasiertem Stadium aufdecken und somit gleichzeitig die Überlebensrate und den Anteil der möglichen brusterhaltenden Operationen erhöhen. Man schätzt, dass bei einer Beteiligung von 70 Prozent der infrage kommenden Frauen die Mortalität durch Mammakarzinome um 25 bis 30 Prozent reduziert werden kann. Diese Zahlen werden aber unter Experten immer wieder heftig diskutiert.

40 Prozent Beteiligung

Die bis Ende 2013 für Österreich geschätzte Beteiligung von 40 Prozent der Frauen an den Brustkrebs-Früherkennungsmammografien ohne entsprechendes Einladungsprogramm umfasste offenbar auch ein beträchtliches Maß von Frauen, die häufiger als vorgesehen alle zwei Jahre zur Untersuchung gingen. Außerdem dürften sozial benachteiligte Frauen viel seltener oder gar nicht den Radiologen zu Früherkennung aufgesucht haben. Gerade das sollte mit dem Projekt "früh erkennen" ausgeglichen werden.

Mit dem 2014 gestarteten Programm wurde allerdings auch eine deutliche Verbesserung des Qualitätsmanagements angestrebt: Die Befunde werden immer von zwei Radiologen unabhängig voneinander begutachtet. Sie müssen entsprechend geschult sein und eine Mindestanzahl solcher Untersuchungen pro Jahr durchführen. Bei mit der Mammografie nicht gut erzielbaren Aussagen kann zusätzlich sofort eine Ultraschalluntersuchung erfolgen. (APA, 23.2.2015)

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