Citizenfour: Laura Poitras bekommt Oscar für Snowden-Doku

23. Februar 2015, 08:25
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NSA-Überwachung "nicht nur Gefahr für Privatsphäre sondern Demokratie als Ganzes" - Snowden gratuliert

Nur selten ist es möglich, Zeitgeschichte so nah zu verfolgen, wie es Laura Poitras mit ihrer Dokumentation "Citizenfour" über den NSA-Whistleblower Edward Snowden gelungen ist. Eine Leistung die nun auch mit dem bekanntesten Filmpreis der Welt geehrt wurde: Poitras erhielt in den Nacht auf Montag den Oscar für den besten Dokumentarfilm.

Gefahr für die Demokratie

In ihrer Dankesrede bedankte sich Poitras denn auch umgehend bei Edward Snowden und dessen Courage. Zudem betonte sie, wie wichtig dessen Schritt an die Öffentlichkeit war. Die Enthüllungen über die umfassende Überwachung von Internet- und Telekommunikationsverbindungen sei keineswegs "nur" eine Gefahr für die Privatsphäre sondern für die Demokratie als Ganzes".

Reaktion

In einem kurzen Statement gratulierte auch Snowden selbst umgehend der Filmemacherin. Als Poitras ihm die Idee vorschlug, den gesamten Prozess der Veröffentlichung der ersten Geheimdokumente mitzufilmen, habe er zunächst sehr zurückhaltend reagiert. Mittlerweile sei er aber äußerst froh, dass ihn Poitras von diesem Schritt überzeugt hat. Zugleich hofft Snowden, dass die Dokumentation und die ihr nun zuteil gewordene Auszeichnung ein Signal aussendet, dass auch ganz normale Bürger die Welt verändern können, wenn sie zusammenarbeiten.

the oscars 2015

Neben Poitras fanden sich auch Journalist Glenn Greenwald und Lindsay Mills, Lebensgefährtin von Edward Snowden, zur Entgegennahme des Oscars auf der Bühne der 87. Academy Awards ein. Snowden selbst blieb diese Ehre freilich versagt, würde ihm eine Einreise in die USA doch eine umgehende Festnahme bescheren. Immerhin droht dem Whistleblower aufgrund der Veröffentlichung geheimer Dokumente eine jahrzehntelange Haftstrafe. Snowden lebt seit Mitte 2013 im Exil in Moskau.

Spezialbehandlung

Dabei ist es schon fast überraschend, dass Poitras selbst die Einreise gelungen ist. Steht sie doch seit Jahren auf mehreren "Watchlists" der US-Regierung, die ihre eine Spezialbehandlung bei der Einreise verschaffen. So berichtete die Filmemacherin immer wieder von stundenlangen Verhören, der Beschlagnahme ihres Materials sowie Versuchen in Verhören ihre Quellen in Erfahrung zu bringen. Entsprechend lebt sie mittlerweile auch in Berlin.

Vorgeschichte

Es war bereits die zweite Oscar-Nominierung für Poitras: Im Jahr 2007 wurde sie für die Dokumentation "My Country, My Country" vorgeschlagen, die sich kritisch mit der US-Besetzung des Iraks auseinandersetzt. (apo, derStandard.at, 23.2.2015)

  • Laura Poitras (zweite von links) ist sichtlich erfreut über die Verleihung des Oscars für den besten Dokumentarfilm.
    foto: mike blake / reuters

    Laura Poitras (zweite von links) ist sichtlich erfreut über die Verleihung des Oscars für den besten Dokumentarfilm.

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