Rot und Schwarz

22. Februar 2015, 18:53
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Falunrot gibt es auch in Schwarz. Schließlich ist doch immerhin so jedes 17. Holzhaus in Schweden nicht im Ton des Hauptprodukts der Firma Stora Kopparbergs Bergslags AB gestrichen. Die produziert ihre holzkonservierende Außendispersion aus Rotmulm, der aus dem Abraum der gleich nebenan liegenden Falu Gruva, der stillgelegten Kupfermine von Falun, stammt.

Schwarz gibt es also auch, da sind die Schweden nicht so. Es gibt ja auch jede bologneseartige Sauce über die Nudeln in vegetarischer Variante zu essen, also mit Huhn statt Rind, Schwein oder Lamm, eher nicht mit Truthahn. Man soll sich da nicht aufregen, Gemüse ist im Land relativ teuer, Fisch geht nicht jedem unter die Nase, und Knäckebrot ist zwar magen-, aber nicht immer abendfüllend.

Rund um die WM-Sportstätten ist sowieso Fleisch schwer angesagt. Die Norweger sind keine großen Gemüsefrudeln, gerade dass sie den durch die hiesigen Wälder streifenden Järv in Ruhe lassen, der sich selber seit jeher Vielfraß heißen lassen muss.

Die Lust am Fleisch spielt Nadine und Burkhardt in die Hände, die bei der Medal Plaza ihren Stand aufgebaut haben und Thüringer und Nürnberger Bratwürste verkaufen, als wären es warme Semmeln. Sie stammen aus Solingen, waren in der Finanzbrache tätig, sind nach Schweden ausgewandert und voll des Lobes. Das Sozialsystem? So super, dass man Steuern mit Wonne zahlt! Und erst die Freundlichkeit der Leut', die - "bayerischen Senf dazu?" - Lebensqualität! Nadine kennt da kein Schwarz, kein Rot, nur Weiß mit Gelb und Blau. (Sigi Lützow, DER STANDARD, 23.2.2015)

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