Hadi bekräftigt Machtanspruch: Zerreißprobe für den Jemen

22. Februar 2015, 17:10
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Der in Sanaa gestürzte Präsident will nach Flucht in den Süden an Macht festhalten - Zuvor hatte UN in Sanaa zu vermitteln versucht

Sanaa/Aden – Die politische Krise im Jemen hat sich am Wochen ende weiter verschärft. Nach der Flucht des von schiitischen Huthi-Rebellen in der Hauptstadt Sanaa abgesetzten Präsidenten Abd-Rabbo Mansur Hadi in die südlich gelegene Stadt Aden droht dem Land die Spaltung. Hadi war am Samstag nach eigenen Aussagen aus dem Hausarrest entkommen. Aden ist die Heimatstadt Hadis und wird von Truppen kontrolliert, die ihn weiterhin unterstützen.

In einer Erklärung in der Nacht zum Sonntag bezeichnete Hadi sich selbst weiter als legitimen Präsidenten des Landes. Die internationale Gemeinschaft müsse den Staatsstreich der Huthis zurückweisen. Armee und Sicherheitskräfte sollten daher seine Anweisungen befolgen. Hadi soll sich in der Präsidentenresidenz im Diplomatenviertel von Aden aufhalten. Eine Nationalkommission solle in Aden oder in der Stadt Taiz tagen, bis Sanaa wieder "eine sichere Hauptstadt für alle Jemeniten" sei.

Zulauf für Separatisten und Al-Kaida

Die Stadt war im vergangenen Herbst von den schiitischen Huthi-Rebellen besetzt worden, die in der Folge immer mehr Kontrolle über die Regierung an sich zogen. Im Jänner nahmen sie dann auch die Residenz und den Palast Hadis ein; wenig später erklärten sie ihn für abgesetzt. Gegner sehen den Iran hinter dem Erstarken der Huthis. Sie sollen aber auch von Kräften unterstützt werden, die dem 2012 gestürzten Langzeitpräsidenten Ali Abdullah Saleh nahestehen.

Im Süden und Osten, wo fast nur Sunniten leben, hatten in der Folge separatistische Bewegungen, aber auch die Terrororganisation Al-Kaida Zulauf erhalten. Auch in Sanaa gab es Proteste, am Wochenende erschossen Sicherheitskräfte einen Demonstranten.

Dass Hadi nun von Aden aus seinen Regierungsanspruch erneuert, nährt die Sorge vor einem Zerfall des Landes. Der Jemen war bis 1990 in Nordjemen und einen stärker sozialistisch orientieren Südjemen mit Hauptstadt Aden geteilt. Nach 1990 hatte Saleh, zuvor seit 1978 Präsident des Nordjemens, das Land regiert. Er war 2012 im Zuge des "Arabischen _Frühlings" gestürzt worden.

Eine Nationale Dialogkonferenz (NDC) sollte danach eine gemeinsame Formel für eine politische und regionale Neuordnung des Landes finden. Diese verabschiedete 2014 tatsächlich einen Plan, der von den Huthis allerdings nicht angenommen wurde.

Suche nach Ausweg

Erst am Freitag hatten sich die rivalisierenden Gruppen in Sanaa unter Vermittlung des UN-Sondergesandten Jamal Benomar auf die Bildung eines Übergangsrates geeinigt, der gemeinsam mit der zweiten Parlamentskammer, dem Repräsentantenhaus, einen Weg aus der Krise suchen sollte. Dieser sollte mit Vertretern aus dem Süden und Osten des Landes sowie von Frauen und jüngeren Menschen besetzt werden und das bisherige Oberhaus des jemenitischen Parlaments als Legislative ersetzen. Das Repräsentantenhaus wird von Abgeordneten dominiert, die Expräsident Saleh nahestehen. (red, DER STANDARD, 23.2.2015)

  • Sieht sich weiter als Präsident und meldete sich in den Medien zurück: Der von Huthi-Milizen gestürzte Abd-Rabbo Mansur Hadi.
    foto: epa/yahya arhab

    Sieht sich weiter als Präsident und meldete sich in den Medien zurück: Der von Huthi-Milizen gestürzte Abd-Rabbo Mansur Hadi.

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