Italien trauert um Theater- und Opernregisseur Ronconi

22. Februar 2015, 18:53
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Der Theater- und Opernregisseur starb am Samstagabend 81-jährig an den Folgen einer Lungenentzündung in Mailand. Ronconi galt neben Giorgio Strehler als der größte Magier des italienischen Theaters im 20. Jahrhundert

Wien/Mailand - Mitte der 1970er-Jahre inszenierte Luca Ronconi seine erste Oper, Gounods Margarethe.Da hatte der 1933 aufgrund der auswärtigen Lehrtätigkeit seiner Mutter mehr oder weniger zufällig in Tunesien geborene Italiener bereits eine formidable Karriere als Theaterregisseur hinter sich. Sie war mit der Hinwendung zur Oper aber keineswegs vorbei. Ronconi, den es stets zum Großen hinzog, der die Theatermaschine liebte, konnte gerade auch im Musiktheater seine szenischen Schwergewichte gut umsetzen.

Mit jenen Arbeiten, die international seinen Ruf als Regisseur des Aufbruchs begründeten - Orlando Furioso von Ariost (1969) und Aischylos' Orestie (1972) - sprengte er räumlich und zeitlich Grenzen (sechs Stunden dauerte die Orestie). Noch Schnitzlers Professor Bernhardi, den er 2005 in Mailand inszenierte, brachte es auf satte fünf Stunden. Erst in den letzten Jahren interessierte Ronconizunehmen das Einfache, das schlichte Handwerk. "Ich will leichter werden - für mich und die Zuschauer", sagte er noch vergangenen Sommer in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung.

Am Samstagabend starb Luca Ronconi in einer Mailänder Poliklinik an den Folgen einer Lungenentzündung. Seit einer schweren Operation im Jahr 2009 trat der ritterliche Grandseigneur kürzer. Vor wenigen Wochen noch konnte seine Lehman-Trilogy Uraufführung am Piccolo Teatro feiern, eine antikapitalistische Saga von Autor Stefano Massini über die drei Brüder und Gründer der US-amerikanischen Investmentbank.

Zwischen 1974 und 2009 inszenierte Ronconi mehr als 25 Opern an der Scala, in Zusammenarbeit mit Größen wie Claudio Abbado, Riccardo Chailly, Georges Prêtre, Giuseppe Sinopoli und insbesondere Riccardo Muti. Ronconis Arbeiten haben die Scala wesentlich mitgeprägt und ihm zu internationalem Ruhm verholfen. Seine bilderstarke Bühnensprache (strenge Zeitgenossen wie Joachim Kaiser haben sie auch als "konventionelle Arrangements" abgetan) führte ihn auch zu den Salzburger Festspielen, 1993 mit einem phänomentalen Falstaff, 1999 dann mit Don Giovanni.

Am Burgtheater, wo Ronconi 1973 erstmals inszenierte, löste er seine Vorliebe für antike Dramen ein: Euripides' Die Bakchen, Aristophanes' Die Vögel (1975), Aischylos' Orestie (1976). Eine Affinität zu Österreich war dem in seiner Heimat tief verwurzelten Künstler stets eigen. Ronconi, der auch bei den Wiener Festwochen zu Gast war, hat mehrfach Hofmannsthal und Schnitzler inszeniert und 1990 auch Karl Kraus' Die letzten Tage der Menschheit. Mit Jutta Lampe und Walter Schmidinger in Pirandellos Die Riesen vom Berge brachte er 1994 die damals neue Spielstätte der Perner Insel bei den Salzburger Festspielen zum Schwingen.

Viele Fronten

Luca Ronconi hat an vielen Fronten des Theaters gearbeitet. Zunächst als Schauspieler bei Vittorio Gassman, als Regisseur in Turin, Mailand, Rom, an der Comédie-Française in Paris, am Théâtre La Monnaie in Brüssel, an der Deutschen Oper Berlin. Der stets Neugierige hat in Prato ein Theaterlabor aufgebaut und wurde Intendant, zunächst am Teatro di Roma, nach Strehlers Tod dann am Piccolo Teatro in Mailand.

Am 8. März wäre Luca Ronconi 82 Jahre alt geworden.

(Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 23.2.2015)

  • Theater- und Opernregisseur Luca Ronconi ist Samstagabend verstorben.
    foto: epa/guillermo mendo

    Theater- und Opernregisseur Luca Ronconi ist Samstagabend verstorben.

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