Moody's stuft Russland auf Ramschniveau

21. Februar 2015, 08:33
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Die Ratingagentur nennt als Gründe für die Herabstufung die Ukraine-Krise und den Ölpreisverfall

Washington/Moskau - Russlands Wirtschaft darbt. Soviel ist schon lange ersichtlich. Etwas anderes als einen Abschwung im laufenden Jahr erwartet kaum noch jemand. Ölpreisverfall, Sanktionen, fehlende Strukturreformen und zunehmend Protektionismus: Ein ganzes Bündel an Ursachen sind dafür verantwortlich.

Auch die US-Ratingagentur Moody's hat auf die missliche Lage reagiert und die Kreditwürdigkeit Russlands auf Ramschniveau herabgestuft. Die Bonitätsnote wurde von "Baa3" auf "Ba1" gesenkt, wie die Agentur am Freitag mitteilte. Damit befindet sich die Bonität des Landes im sogenannten Junk-Bereich, der Anleihen als spekulativ kennzeichnet. Auch den Ausblick sieht Moody's weiter negativ.

Der Schritt kommt wenig überraschend, denn Mitte Jänner hatte die US-Ratingagentur die Kreditwürdigkeit Russlands mit Verweis auf die zu erwartende schwere Rezession von Note "Baa2" auf "Baa3" herabgestuft.

Viele leiden mit

Dass die Lage nicht nur Russland selbst trifft, hat jüngst der Vorsitzende des deutschen Ost-Ausschusses Eckhard Cordes bei einer Pressekonferenz in Moskau in Erinnerung gerufen. Er schätzt den Rückgang beim Bruttoinlandsprodukt auf etwa fünf Prozent, die Reallohnverluste der russischen Bevölkerung auf "zehn Prozent und mehr" ein. Dies habe keineswegs nur Konsequenzen für Russland, warnte der Wirtschaftsfunktionäre.

Dass Europa mitleidet, ist unvermeidlich. Die Zahlen zeigen dies auch sehr deutlich: Deutschland als größter Handelspartner Russlands verzeichnete 2014 einen Exportrückgang um 18 Prozent auf 67 Milliarden Euro, Österreich von Jänner bis Oktober 2014 einen Rückgang der Ausfuhren nach Russland um 7,7 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro.

Hohe Bandbreite

Wie hoch die Bandbreite in Sachen möglicher Schaden ist, zeigt eine Wifo-Studie vom Dezember ( "Makroökonomische Effekte des Handelskonflikts zwischen der EU und Russland") . Durch EU-Russland-Sanktionen sowie entsprechende Gegenmaßnahmen Moskaus sind im Extremfall rund 45.000 Arbeitsplätze in Österreich gefährdet und ein Wertschöpfungsverlust von 2,9 Mrd Euro möglich, im Minimalszenario wird ein Rückgang von 9.000 Jobs prognostiziert. (APA/rebu, derStandard.at, 21.2.2015)

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