Unterbringung von Asylwerbern: Jugendliche Quartierkrise

Kommentar20. Februar 2015, 17:42
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Das Leiserwerden der Flüchtlingsquartier-Diskussion hat Negativseiten

Mit Ende der Frist, innerhalb derer die Bundesländer zugesagt hatten, ihre Unterbringungsquoten für Asylwerber zu erfüllen - und mit der Nahezu-Einlösung dieses Versprechens -, ist es nach dem Jänner um dieses leidige Dauerbrennerthema der österreichischen Innenpolitik leiser geworden.

Das ist gut so, weil so auch die Darstellung von Flüchtlingen als lästig, weil allzu zahlreich, einigermaßen verstummt ist: ein Image, das vor allem den aus dem Syrien-Krieg mit seinen Grausamkeiten Entkommenen nicht gerecht wird. Laut Genfer Flüchtlingskonvention und allen von Österreich unterzeichneten Folgeabkommen sind diese Menschen gerade klassische Schutzsuchende - die daher auch zu mehr als 80 Prozent einen positiven Asylbescheid bekommen.

Doch das - von Beschwerden über belegte Polizeiturnsäle abgesehen - Leiserwerden der Flüchtlingsquartier-Diskussion hat auch seine Negativseiten. Dadurch ist der Blick der Öffentlichkeit schwerer auf ein bestehendes, ja, sich zuspitzendes Defizit zu lenken: auf den Umstand, dass österreichweit inzwischen 750 unbegleitete, also alleinstehende Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in ungeeigneten Quartieren ausharren müssen. Bund und Ländern ist es bisher nicht gelungen, genug Geld zur Verfügung zu stellen, um hier für die notwendige Betreuungsstruktur zu sorgen - eine asylpolitische Zeitbombe. (Irene Brickner, DER STANDARD, 21.2.2015)

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