Prozess um erzwungenen Sex auf dem Sofa des Beamtenzimmers

20. Februar 2015, 17:24
131 Postings

Justizwächter soll zwei weibliche Gefangene bedrängt haben: Neuverhandlung wegen Vergewaltigung

Wien - Ausschlaggebend waren die detaillierten Aussagen von zwei ehemaligen weiblichen Gefangenen, die von sexuellen Übergriffen eines Justizwachebeamten berichten; der 41-Jährige musste sich am Freitag im Wiener Landesgericht verantworten: "Wenn diese Vorfälle so wie beschrieben stattgefunden haben, ist der Tatbestand der Vergewaltigung erfüllt", sagte Einzelrichter Andreas Böhm nach den Einvernahmen der Zeuginnen. Er erklärte sich für unzuständig. Die Causa muss vor einem Schöffengericht von neuem verhandelt werden.

Somit drohen dem beschuldigten Wachebeamten der Justizanstalt Josefstadt als Höchststrafe nicht mehr - wie bisher - drei Jahre Haft wegen Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses, sondern bis zu zehn Jahre Gefängnis wegen Vergewaltigung. Zwischen Dezember 2011 und Dezember 2012 soll er die zwei Häftlinge wiederholt bedrängt und zu sexuellen Handlungen gezwungen haben.

Putzmantel aufgeknöpft

An einem Tag im Sommer 2012 etwa habe ihr der Beamte den Putzmantel aufgeknöpft, schilderte eine der Frauen: Sie war im Gefängnis als Reinigungskraft tätig. Er habe mit ihrer Brust gespielt, ihre Hand an seinen Penis geführt und sie schließlich mit den Schultern nach unten gedrückt, um sich befriedigen zu lassen.

Doch sie habe versucht, sich ihm zu entziehen, erklärte sie: "Ich hab probiert, stehen zu bleiben, weil ich das nicht wollte." Aber der Beamte habe den Druck auf ihre Schultern verstärkt. Außerdem: "Als Insassin hat man eigentlich keine Wahl." Aus diesem Grund sei es wenig später auch zum Geschlechtsverkehr mit dem Mann auf einem Sofa im Wachebeamten-Raum gekommen - nachdem sie dort die Männertoiletten gesäubert habe. Auch die zweite Zeugin berichtete von Übergriffen.

Autoritätspersonen ausgeliefert

"Es gibt keinen Ort, an dem man einer Autoritätsperson mehr ausgeliefert ist als im Gefängnis", ergänzte die Anwältin der Ex-Gefangenen, Bettina Caspar-Bures. Was in der Justizanstalt passiert sei, sei "menschenverachtend und einer demokratischen Gesellschaft nicht würdig", sagte sie.

Der beschuldigte Wachebeamte sah das anders. Er sei ein "allgemein höflicher Mensch" und "kein Hardliner", sagte er. Einmal habe er eine weibliche Gefangene im Vorbeigehen abgebusserlt: "Für mich ist das eine menschliche Floskel." (APA/bri, DER STANDARD, 21.2.2015)

  • Der 41-jährige Wachebeamte (Bild) sieht sich selbst nicht als Täter: Er sei eben ein "allgemein höflicher Mensch", sagte er zu den Vorwürfen schwerer sexueller Übergriffe.
    foto: apa/fohringer

    Der 41-jährige Wachebeamte (Bild) sieht sich selbst nicht als Täter: Er sei eben ein "allgemein höflicher Mensch", sagte er zu den Vorwürfen schwerer sexueller Übergriffe.

Share if you care.