Verlegerplan für Presseförderung: Keine Besondere, mehr Vertriebsförderung für alle

21. Februar 2015, 08:45
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Vertriebsförderung von 3,7 auf 13 Millionen - Abzüge für Riesen "Krone" und kleine Redaktionen - 8 Millionen für digitale "Innovationen"

Wien - Kommenden Mittwoch spricht Medienminister Josef Ostermayer mit Vertretern des Zeitungsverbands über deren Vorschlag für eine neue Presseförderung. 35 statt zuletzt kaum neun Millionen Euro wünschen sie sich, wie DER STANDARD schon Anfang Jänner berichtet hat. Aber wie wollen sie ihn verteilen, über welche Vorschläge wollen sie kommende Woche mit dem Minister reden? Hier erste Infos über das Verleger-Konzept, soweit sie derStandard.at/Etat in Erfahrung bringen konnte.

Ende der Besonderen Förderung"

Bisher gab es eine "Besondere Förderung für Tageszeitungen zur Erhaltung der regionalen Vielfalt der Tageszeitungen" - bis zur recht drastischen jüngsten Kürzung 2014 über Jahre am höchsten dotiert. Sie galt nicht marktbeherrschenden Zeitungen, national wie regional.

Die höchsten Fördersummen in den vergangenen Jahren gingen an die Qualitätszeitungen "Die Presse" und DER STANDARD, gefördert werden auch kleinere Regionalzeitungen. Seit 2014 zog das Kanzleramt während der laufenden Vergabe überraschend eine Mindestzahl an Journalisten ein - was die "Salzburger Volkszeitung" um Förderung und Existenz brachte.

13 Millionen Vertriebsförderung für alle

Die Vertriebsförderung für alle Kauftageszeitungen von "Krone" bis "Neue Vorarlberger" und Wochentitel von "Hrvatske Novine" und "Falter" bis "Woman" und "NÖN" blieb 2014 im Wesentlichen ungekürzt; sie wurde damit zur höchst dotierten Subvention der gesetzlichen Presseförderung.

Aus den zuletzt rund 3,7 Millionen Euro allgemeine Vertriebsförderung sollen nach den Vorstellungen 13 Millionen werden, die breit an Kauf-Tages- und -Wochenzeitungen gehen sollen.

Die ersten 1000 beziehungsweise 20.000 Exemplare im Abonnement werden höher gefördert als die übrigen 30.000 bis zu einer Maximalhöhe von 50.000 geförderten Exemplaren.

Wie bisher würde bei mehreren Zeitungen in einem Konzern die Vertriebsförderung gestaffelt: 100 Prozent für die mit den meisten Abos, etwa die "Krone" in der Mediapint, 80 Prozent für die zweitgrößte, etwa den "Kurier" in der Mediaprint oder "Die Presse" in der Styria, 60 Prozent für die drittgrößte - etwa das "Wirtschaftsblatt" in der Styria.

Abzüge für "Krone", "Kleine" - und kleine Redaktionen

Tageszeitungen mit mehr als 150.000 Abo-Exemplaren bekommen nach diesem Modell 50 Prozent abgezogen - darunter fallen laut Auflagenkontrolle "Krone" und "Kleine Zeitung".

Das Modell der Verleger staffelt auch nach angestellten Journalisten: Erst ab 200 Journalisten pro Tageszeitung gibt es hier keine Abzüge - so viele Redakteure hat etwa die "Krone"; "Kurier" und "Kleine" könnten diese Größenordnungen am ehesten noch erreichen. Zwischen 100 und 200 Journalisten wird die Vertriebsförderung um 10 Prozent gekürzt, unter 100 um 20 Prozent.

"Bildungsförderung": Sechs Millionen für Themenschwerpunkte

Das Modell der Verleger sieht sechs Millionen Euro für eine neue "Bildungsförderung" vor - etwa für Sonderausgaben, Beilagen, Rubriken, die Themen aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft, Geschichte Österreichs und Europas, aber auch Soziales, Generationenfragen, Religion, Brauchtum, Gesundheit und sogar Sport aufarbeiten.

Pro Projekt soll es nach dem Konzept höchstens 10.000 Euro Kostenersatz geben.

Vier Millionen für Lese- und Medienkompetenz

Unter diesem Titel schlägt der Entwurf eine Million für Einrichtungen mit dieser Aufgabe vor, die von den Kaufzeitungen getragen werden - "Zeitung in der Schule" heißt der Verein des Zeitungsverbands dafür.

Weitere drei Millionen sollen Gratisabos von Zeitungen und Zeitschriften für Schulen finanzieren.

Acht Millionen Euro für "Digitalpresseförderung"

Den zweitgrößten Betrag messen die Kaufzeitungsverleger in ihrem Modell einer neuen Digitalpresseförderung zu. Sie sollen "neue und innovative Projekte" finanzieren.

  • Je vier Millionen sollen digitale Bezahlmodelle finanzieren helfen und
  • die Entwicklung innovativer digitaler Varianten von "Textmedien" oder ihres Vertriebs samt Forschung zum Thema.

Die Förderung können Medienuntenehmen beantragen, die zumindest wochenaktuellen digitalen General-Interest-Publikationen betreiben.

Vier Millionen für "qualitätsfördernde Maßnahmen"

Verlage sollen weiterhin Förderungen für Lehrredaktionen, Auslandskorrespondenten (und deren Spesen) bekommen - der Entwurf sieht dafür nun 2,6 Millionen vor. 2014 gab es für Ausbildung in Redaktionen rund 420.000 Euro.

Je 0,6 Millionen Euro Förderung sollen für Aus- und Fortbildungseinrichtungen und Veranstaltungen mit diesem Zweck reserviert werden, finden die Verleger im VÖZ.

200.000 Euro (statt zuletzt 46.800) sollen Presseclubs bekommen.

Vorbild: Dänemark

Die EU-Kommission müsste eine recht grundlegend geänderte Förderung wohl absegnen. Die Verleger verweisen dazu hoffnungsvoll auf das Beispiel Dänemarks: Dort habe die EU insgesamt 52 Millionen Euro Presseförderung erst 2013 abgenickt. (fid, derStandard.at, 21.2.2015)

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