Antonio Fian: Der Kormoran

20. Februar 2015, 17:15
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Fernsehstudio eines Regionalsenders. Moderatorin. Studiogast

MODERATORIN: Herr Magister Raup, Sie sind Fischer?

RAUP: Das ist richtig. Ich vertrete den Fischereiverein "Äsche".

MODERATORIN: Unser heutiges Thema ist der Kormoran.

RAUP: Das Thema Kormoran begleitet uns schon mehr als ein Jahrzehnt.

MODERATORIN: In Kärnten gibt es laut Wasservogelzählung genau 318 Kormorane.

RAUP: Da sagt Herr Hirsch etwas anderes.

MODERATORIN: Das mag sein, aber wir reden hier aber nicht über Rotwild, sondern über den Kormoran.

RAUP: Liebe Frau: Herr Hirsch ist der Geschäftsführer des Sport- und Fischereivereins Villach. Sollten Sie eigentlich wissen. Kurz vor Silvester ist Herr Hirsch über den Ossiacher See gefahren und hat allein dort 200 Kormorane gezählt. Der Kormoran gefährdet die heimischen Fische, und das, obwohl er selbst nicht heimisch ist. Das ist die Wahrheit.

MODERATORIN: Ich verstehe. Und ich verstehe auch, dass Sie hier die Interessen Ihres Vereins vertreten. Aber ganz ehrlich, Herr Magister Fischer: Ist die Äsche wirklich ein bedrohter Fisch?

RAUP: Raup.

MODERATORIN: Ist die Äsche wirklich ein bedrohter Raubfisch?

RAUP: Nein. Die Äsche ist ein Friedfisch. Ich heiße Raup. Und um auf Ihre Frage zurückzukommen: Ja, die Äsche ist bedroht. Durch den Kormoran. Der Kormoran ist ein Fischfeind ersten Ranges. Genauso bedroht sind der Huchen, die Bachforelle und die Nase.

MODERATORIN: Wieso die Nase?

RAUP: Ich rede von dem Fisch Nase.

MODERATORIN: Ach, die Nase ist ein Fisch?

RAUP: Ja. Sollten Sie eigentlich wissen. Ein sehr schmackhafter Fisch. Das weiß natürlich auch der Kormoran.

MODERATORIN: Nun ist allerdings der Kormoran eine geschützte Tierart. Unlängst sogar Vogel des Jahres.

RAUP: Es ist völlig falsch verstandener Naturschutz, wenn man zwar die für den Sportfischer und für die Züchtung wichtige Regenbogenforelle verdammt, obwohl sie schon vor ca. 120 Jahren aus Amerika eingeführt wurde, aber einen Vogel schützt, der in Europa nie heimisch war. Und wenn nun auch noch der Fischotter sich hier ausbreitet, dann gute Nacht.

MODERATORIN: Welche Maßnahmen müsste man Ihrer Ansicht nach setzen?

RAUP: Der Kormoran muss zum jagdbaren Wild erklärt werden, und zwar so rasch wie möglich, da stimme ich mit Herrn Hirsch völlig überein. Dann wäre das Problem erledigt.

MODERATORIN: Herr Magister Äscher, danke für das Gespräch.

RAUP: Raup.

MODERATORIN: Trotzdem danke.

RAUP: Ich danke Ihnen.

(Vorhang)

Material: "Fischer beklagen: 'Kormoran gefährdet die heimischen Fische'" - Gespräch mit Andreas Hirsch, "Kleine Zeitung", 10. 2. 2015

"Fischfeind ersten Ranges" - Leserbrief von Mag. Werner Raup, "Kleine Zeitung", 16. 2. 2015

(Antonio Fian, DER STANDARD, 21./22.2015)

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