Türkei will Raketenabwehr ohne NATO-Integration

20. Februar 2015, 10:58
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Verteidigungsminister Yilmaz: Großauftrag geht an chinesischen Bieter

Ankara - Die türkische Regierung hat angekündigt, ein Raketenabwehrsystem anschaffen zu wollen, das ohne Einbindung in die NATO-Infrastruktur betrieben wird.

Verteidigungsminister Ismet Yilmaz erklärte am Donnerstag als Antwort auf eine parlamentarische Anfrage, man strebe trotz Bedenken der NATO-Partner weiter den Kauf eines Raketensystems von China an.

Aus der staatlichen Rüstungsbehörde verlautete allerdings, es sei noch keine abschließende Entscheidung getroffen worden. Die Verhandlungen mit China liefen noch.

NATO besorgt

Bereits 2013 hatte die Türkei den Auftrag an ein chinesisches Unternehmen vergeben und die NATO-Partner damit vor den Kopf gestoßen, die Sicherheits- und Kompatibilitätsbedenken geltend machten. Die Türkei erklärte später, sie sei auch mit Frankreich über den Kauf einer Raketenabwehr im Gespräch.

Nach Angaben von Yilmaz in seiner Antwort an das Parlament hat die Türkei jedoch keine neuen Angebote erhalten. "Die Auswertung ist abgeschlossen und bei uns ist keine neue offizielle Offerte eingegangen", sagte der Minister. "Das fragliche System wird in das nationale System zur Verteidigung der Türkei verknüpft, aber nicht an das NATO-System angebunden."

Chinesen billiger

Den zweiten Platz in dem Bieterstreit belegte das Unternehmen Eurosam, das dem europäischen Raketenhersteller MBDA und dem französischen Konzern Thales gehört. Allerdings war dieses Angebot um ein Viertel teurer als das der chinesischen Waffenexportagentur CPMIEC, die für vier Komplettsysteme lediglich 3,4 Milliarden Dollar (2,9 Mrd. Euro) verlangt.

Der chinesische Exporteur steht wegen Lieferungen an Staaten wie Iran, Syrien und Nordkorea auf der US-Sanktionsliste. Die Fertigung soll großteils in türkischen Fabriken erfolgen, die Türkei erhofft sich von dem Deal auch einen beträchtlichen Know-How-Transfer

Weil das NATO-Mitglied Türkei keine eigene Raketenabwehr besitzt, schützen seit einigen Jahren deutsche, amerikanische und spanische Soldaten mit Patriot -Batterien das türkische Territorium vor Angriffen aus dem benachbarten Bürgerkriegsland Syrien.

In den letzten Monaten hat sich das Verhältnis der Türkei zu den NATO-Partnern merklich verschlechtert. Hauptkritikpunkte waren umstrittene Polizeieinsätze gegen Demonstranten, die Syrien-Politik Präsident Erdogans und die Weigerung der Türkei, gegen die zahlreichen Jihadisten vorzugehen, die über ihr Staatsgebiet nach Syrien und in den Irak reisen. (red/APA/Reuters, 20.2.2015)

  • Luftabwehrsystem FB-6A auf einer Verkaufsausstellung in Zhuhai
    foto: ap/color china photo

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