Wie die Jungen den Betrieb übernehmen

22. Februar 2015, 07:07
1 Posting

Keine Situation ist für Familienunternehmen so wichtig und zugleich so heikel wie die Nachfolge. Der Generationenwechel birgt Herausforderungen - generell steigt die junge Generation aber gerne im Unternehmen ein

Familienunternehmen bleiben im Trend: Laut Wirtschaftskammer sind mehr als die Hälfte aller österreichischen Unternehmen Familienunternehmen. Am häufigsten sind dies Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern, 70 Prozent sind in kleinen Städten und Gemeinden tätig.

Eine Trendwende ist auch durch den Einfluss der jüngeren Generation, der potenziellen Erben, nicht absehbar. Und das nicht trotz, sondern gerade wegen der Generation Y mit ihrem Wunsch nach Selbstverwirklichung und dem Hang zu Neo-Biedermeier, den Jugendforscher Philipp Ikrath der Generation der unter 30-Jährigen zuspricht.

Übernahme als Selbstverwirklichung

Toni Plonner, Gründer und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Unternehmensplan, hat diesen Trend in den letzten zehn Jahren miterlebt: "Die Jungen wollen unabhängig und eigenbestimmt leben. Die Hürden sind deswegen aber nicht weniger geworden." Das Team um Plonner berät Familien bei den möglichen Hürden - in Fragen der Gestaltung und Führung der Unternehmen.

Generationenwechsel sind da natürlich auch ein wichtiges Thema, und das Geschäft geht gut: "Heute suchen die Familienunternehmen viel öfter Beratung von außen", sagt Plonner. Auch das liege am Einfluss der jungen Generation, die sich häufiger an Externe wendet. Schade sei allerdings, dass viele Familien den Schritt erst machen, wenn bereits Konflikte bestehen und der Wechsel kurz bevorsteht. "Das Bewusstsein, sich langfristig vorzubereiten, haben wenige", sagt Plonner. Idealerweise müsste man fünf bis acht Jahre in die Planung investieren.

Die Rolle der Eltern

Viel schneller und ohne externe Beratung verlief die Übernahme des Familienbetriebes bei Philipp Puchmayr: "Gedanken habe ich mir eigentlich erst beim Studium gemacht. Zu Hause war es zwar immer ein Thema, meine Eltern haben aber nie Druck gemacht, dass ich das Unternehmen weiterführen muss."

Der 26-jährige Vorarlberger ist seit April 2013 Geschäftsführer des Bike-Shops in zweiter Generation. Als er den Entschluss fasste, im Unternehmen einzusteigen, zog er von Wien nach Vorarlberg zurück und absolvierte das BWL-Studium berufsbegleitend. "Ich habe nach und nach mehr Verantwortung übertragen bekommen und konnte immer schon meine Ideen einbringen", sagt Puchmayr. Bei seinen Eltern stieß er immer auf offene Ohren - Konflikte bei der Übergabe gab es keine.

Das ist nicht immer der Fall, wie Berater Plonner aus seiner Erfahrung berichten kann: "Es gibt viele Senioren, die nicht gerne abgeben. Eine reibungslose Ablöse wird dann schwierig."

Digitale Richtungswechsel

Die anderen beiden zentralen Herausforderungen bei der Übergabe sieht Plonner erstens darin, wenn Geschwister gemeinsam erben, aber nur eine Person das Unternehmen führt. Hier würden sich oft schwierige Dynamiken ergeben. Zweitens spiele - vor allem in Österreich - die Umwandlung in eine Familienstiftung eine wichtige Rolle und sorge oft für Beratungsanfragen. Für die Jungen geht es dann um die Frage, wie der Einfluss in so einem Fall doch noch möglichst groß bleibt.

Puchmayrs Eltern stehen auch heute noch im Geschäft und unterstützen den Junior, mittlerweile ist auch der jüngere Bruder im Familienunternehmen tätig. "Natürlich habe ich eigene Ziele, möchte das Unternehmen weiterbringen und verändern", sagt Puchmayr, der deswegen eine Weiterbildung im Bereich Marketing und Vertrieb absolviert.

Anders als frühere Erben sind die Mitglieder der Generation Y Digital Natives und mit dem Internet aufgewachsen - auch deswegen bestehe manchmal Konfliktpotenzial: "Die Lösungsansätze der verschiedenen Generationen sind sehr unterschiedlich. Da spielt natürlich die technologische Veränderung der letzten Jahre eine große Rolle", sagt Plonner. Die Angst vor Traditionsverlust könne besonders bei den Senioren, die das Zepter nicht gerne aus der Hand geben, zu noch mehr Skepsis führen. (Lara Hagen, DER STANDARD, 21.2.2015)

Share if you care.