Kein Maulkorb im AKH und ein unzuständiger Rektor

19. Februar 2015, 17:44
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Schütz lässt zur Personalengpässen wissen: "Klinikbetrieb liegt in der Verantwortung des AKH"

Wien - Tag eins nach dem neuersten Aufschrei aus dem Wiener AKH. Mitte der Woche hatte ein leitender Mitarbeiter der Chirurgie vor einer Halbierung des Operationsaufkommens durch die Einführung des neuen Ärzte-Arbeitszeitgesetzes gewarnt. Statt 40.000 Operationen würden es bei "überfallsartiger" Einführung der 48-Stunden-Woche nur noch 20.000 pro Jahr sein, warnte der Mediziner. Im Gespräch mit der APA wollte er anonym bleiben, ein "Maulkorberlass" des Rektorats zwinge ihn dazu.

"Abstimmungen in der Presseaktivität"

Rektor Wolfgang Schütz will sich auf Anfrage des Standard nicht zum Redeverbot äußern. Nur so viel: Ein solches gäbe es auch nicht, ein Schreiben an die Primarärzte will man lediglich als "Abstimmungen in der Presseaktivität" verstanden wissen.

Zur inhaltlichen Kritik, es drohe ab Mai der "Notbetrieb", lässt der Rektor den verärgerten Ärzten ausrichten: "Der Klinikbetrieb liegt in der Verantwortung des AKH", die Uni könne Engpässe und Operationsverschiebungen nicht kommentieren, bestellt der Rektoratssprecher. Nachsatz: Es sei nämlich "Aufgabe der Klinik", die Dienstpläne entsprechend zu gestalten.

Weitere Verhandlungen die neue Ärztearbeitszeit betreffend seien momentan nicht geplant. Auch dem Betriebsrat ist kein neuer Verhandlungstermin bekannt. Nach einer internen Besprechung am Montag hat man hier für kommenden Mittwoch eine Betriebsversammlung angesetzt.

Elektronisches Statement

Beim Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) hat man sich in der Zwischenzeit auf einen Modus für die Urabstimmung über die Ende Jänner erzielte Einigung in Sachen Ärztearbeitszeit und Ärztegehälter geeinigt.

Von 5. bis 8. März kann elektronisch abgestimmt werden, am 9. März will man der Öffentlichkeit das Ergebnis präsentieren. Unter anderem die Personalkürzungspläne (minus 382 Stellen) könnten dazu beitragen, dass das Ergebnis nicht allzu rosig ausfällt. Der Wiener Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres bleibt dabei: "Man kann natürlich Personal einsparen" - aber nur mit den notwendigen Begleitmaßnahmen. (red, DER STANDARD, 20.2.2015)

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