Der Planet Varoufakis

Einserkastl19. Februar 2015, 17:44
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Griechenlands Finanzminister, ein großer Erratiker

Wer sich frägt, ob die neue griechische Syriza-Regierung nicht vielleicht doch auf einem anderen Planeten als die EU-Führung lebt, dem sei zur Erleuchtung die Lektüre eines Vortrags empfohlen, den Finanzminister Yiannis Varoufakis 2013 beim "6. Subversiven Festival" in Zagreb gehalten hat (siehe theguardian.com). Varoufakis erklärt sich darin zum "erratischen (für sich stehenden, Anm.) Marxisten". Er meint aber, die "Implosion des abstoßenden europäischen Kapitalismus" sei "um jeden Preis zu vermeiden". Denn die radikale Linke habe eine "widersprüchliche Mission", nämlich "den freien Fall des europäischen Kapitalismus aufzuhalten, um die Zeit zu gewinnen, eine Alternative zu formulieren".

Der Mann hat eine größere Agenda. Griechenland retten? Ja, ja, aber die wahre Aufgabe ist es, den Systemwechsel auf dem Kontinent herbeiführen: "Was sollen Marxisten tun?" Sie sollen sich "eingestehen, dass wir noch nicht bereit sind, die Kluft, die ein Zusammenbruch des europäischen Kapitalismus erzeugen würde, mit einem funktionierenden sozialistischen System zu füllen".

Bis es so weit ist, müsse man eben unter den gegebenen Umständen das jetzige System irgendwie stabilisieren - "aber ich bin traurig, dass ich vielleicht nicht mehr da sein werde, um eine radikalere Agenda durchgeführt zu sehen".

Sehr schwierig, sich da von Planet zu Planet zu verständigen. (Hans Rauscher, DER STANDARD, 20.2.2015)

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