Undankbares Blaublut

19. Februar 2015, 17:29
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Nicht gerade entnervt, aber doch leicht besorgt wirkt Ragnar, der Fotograf. Sicher, sein Starköl verdient er sich daheim in Norwegen vorwiegend mit Hochzeiten, Beerdigungen und dazwischen anfallenden Porträts. Den Brännvin zum Starköl in Falun hoffte Ragnar aber mit ein paar bildschönen Aufnahmen vom alten Carl Gustaf zu machen, vielleicht sogar kompromittierenden. Der beglückte sein Volk zwar bei der WM-Eröffnung, sogar flankiert von Königin Silvia, Kronprinzessin Victoria und Prinz Carl Philip.

Das royale Quartett auf der Tribüne abzulichten, wäre aber sogar mit dem Handy keine echte Herausforderung gewesen. Ragnar braucht besseren Stoff, exklusiveren, aber der König und dessen Entourage sind beweglich, die Sicherheitscrew ist nahe dran.

Die sportfotografierenden Kollegen, sagt Ragnar, sind gesegnet. Weil deren Ziele nicht ungern fotografiert werden, sofern sie ordentlich gebrandet sind. Das ist ja ein Geben und ein Nehmen. Was könnte er schon dem König geben, nachdem er ihn aufgenommen hat? Und, sagt Ragnar, die Sportler sind ja chancenlos - über diesen Bakken muss er kommen, durch diese Loipe muss er ziehen. Carl Gustaf muss gar nichts, schon gar nicht für eine Norwegerlinse.

Dabei sind ja die Bernadottes ein fotografisches Lercherl gegen die Windsors, auf deren Fährten sich allein für die Agentur, der Ragnar zuliefert, eine Tausendschaft heftet - darunter nicht einmal das, was man Paparazzi nennt. Carl Gustaf, sagt Ragnar, soll froh sein, dass nur Ragnar da ist, das undankbare Blaublut, das schwedische. (Sigi Lützow, DER STANDARD, 20.2.2015)

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