Enthüllungsjournalismus: Hyundai Tucson und Skoda Superb

19. Februar 2015, 16:03
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Weltpremieren sind dramatische Ereignisse der Menschheitsgeschichte. Da gibt es viel Tusch, Trara, gespannte Mienen - wie bei den Debüts von Hyundai Tucson und Skoda Superb

1+1=3. Das möchte man fast meinen, führt man sich den ästhetischen Stand der Dinge bei Hyundai vor Augen. Respektive lässt vor Augen führen, am Faschingsdienstag in Berlin. E-Werk nennt sich die Event-Location, wo Hyundai die Hüllen des neuen Tucson fallenließ. Der Meister hatte geladen, sozusagen. Peter Schreyer - der Deutsche mit Wurzeln im VW-Konzern (Ferdinand Piëch: "Es war ein Fehler, dass wir den gehen haben lassen.") - war bisher schon dafür zuständig, dass Hyundai-Schwestermarke Kia mit aufregendem Design Begehrlichkeiten weckte. Die Konzernführung hat schnell geschaltet und Schreyer zum Designgroßmeister beider Korea-Marken befördert.

So wirkt er nun mit dem weniger öffentlichkeitspräsenten Thomas Bürkle (Ex-BMW), der Hyundai-Markendesignchef bleibt, gedeihlich zusammen. Das Signal ist eindeutig, der Fernost-Autoriese hebt den Stellenwert des Designs enorm an. Wie gesagt: 1+1=3.

Beim Tucson, an dem Schreyer "schon ein bisschen mitgewirkt" hat, sollte zunächst die Markenidentität gestärkt werden. Fast hat man den Eindruck (den der Designer bestätigt), dass der kompakte SUV vom markanten hexagonalen Grill her gezeichnet ist. Mit 4,48 m Länge überragt er den Vorgänger (ix35) um sieben Zentimeter, die Proportionen wirken stimmiger. Satt und breit steht der Wagen auf den Rädern, und da ist immer noch viel Bewegung im Blechle ("Fludic Sculpture Design"), aber besonnener, was gewährleisten soll, dass das Auto länger gefällt, man sich nicht so rasch absieht.

Verkaufsstart im September

Bei uns startet der fesche, "viel erwachsener als früher" (Schreyer) wirkende SUV im September - mit zwei Benzinern und drei Dieseln (115-184 PS), mit Allrad und Frontantrieb, und damit Schnitt, Szenenwechsel, Ortswechsel. Rudolf II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, lässt sich in seiner Residenzstadt Prag soeben von Johannes Kepler ein Horoskop erstellen ... Pardon, richtiger Ort, aber falsche Zeit.

Prag also, immer noch Faschingsdienstag, aber abends. Veranstaltungsort: Forum Karlin. 800 Gäste: 300 Prominenzen, Exzellenzen, Eminenzen, 500 Journalisten. Man stimmt die Kollegen aus China ein auf das nächsttägige chinesische Neujahr (Jahr der Ziege). Nein, wieder falsch. Gemeinsam mit Prominenz wie Karel Gott harrt man der enthüllenden Dinge, Akteur diesmal: Skoda Superb.

Für dessen Neuauflage spielt die Tschechische Philharmonie die extra dafür komponierte, an Haydn (Symphonie mit dem Paukenschlag) angelehnte Syndromie mit dem Peitschenschlag - quatsch: die Superb Symphonie natürlich, und dann zeigt sich der Novize in seiner ganzen Pracht.

Noch mehr Platz

Das ist diesmal nicht geflunkert, vor uns steht eine stattliche, hochgradig elegante Limousine. Sogar das Heck durften die Designer nun schön und stimmig gestalten, das war beim Vorgänger noch anders, zur Erklärung wurde damals kolportiert, es habe wegen akuter Passat-Gefährdung entsprechende Weisung aus Wolfsburg gegeben.

Mit 4,86 Metern neun Zentimeter länger als der Passat, trennen ihn nach oben nur sechs Zentimeter vom Audi A6. Resultat: Noch mehr Platz im Innenraum als bisher. Hinsichtlich Sicherheit und Infotainment spielt der Ober-S koda auch alle Stückerln, mehr davon dann bei der Fahrpräsentation.

Österreich-Markstart ist im Juni, der Kombi folgt im September. Vier Benziner und drei Diesel decken ein Leistungsband von 120 bis 280 PS, Allrad gibt es auch. Und jetzt melden wir uns ab zur Karlsbrücke. Innerlich sammeln, nach all diesen aufregenden Enthüllungen. 's ist Mitternacht! Der eine schläft, der andre wacht ...

Unten links der neue Skoda Superb mit Hülle, darüber schon ohne. Gut so. Jetzt beruhigt sich der Puls langsam. Aber spaßohne: Das neue, 4,86 m lange Skoda-Flaggschiff ist ein richtig stattliches Stück Limousine. Hyundai wiederum signalisiert mit dem neuen Tucson, dass dem Design unter Oberhoheit Peter Schreyers eine längere optische Halbwertszeit eignet als zuletzt. (Andreas Stockinger, DER STANDARD, 20.2.2015)

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Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • Der neue Skoda Superb mit Hülle...
    foto: stockinger

    Der neue Skoda Superb mit Hülle...

  • ... und ohne: Gut so. Jetzt beruhigt sich der Puls langsam.
    foto: stockinger

    ... und ohne: Gut so. Jetzt beruhigt sich der Puls langsam.

  • Aber spaßohne: Das neue, 4,86 m lange Skoda-Flaggschiff ist ein richtig stattliches Stück Limousine.
    foto: stockinger

    Aber spaßohne: Das neue, 4,86 m lange Skoda-Flaggschiff ist ein richtig stattliches Stück Limousine.

  • Hyundai wiederum präsentiert den neuen Tucson...
    foto: stockinger

    Hyundai wiederum präsentiert den neuen Tucson...

  • ... und signalisiert damit, dass dem Design unter Oberhoheit Peter Schreyers eine längere optische Halbwertszeit eignet als zuletzt.
    foto: stockinger

    ... und signalisiert damit, dass dem Design unter Oberhoheit Peter Schreyers eine längere optische Halbwertszeit eignet als zuletzt.

  • Die Proportionen wirken stimmig.
    foto: stockinger

    Die Proportionen wirken stimmig.

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