Hemayat-Therapiezentrum für Folteropfer fordert fixes Budget

19. Februar 2015, 13:51
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Die Zahl therapiebedürftiger Flüchtlinge nimmt stark zu, sagt Menschenrechtsexperte Manfred Nowak

Wien - Im Grunde sei es paradox, sagt der Menschenrechtsexperte und frühere UN-Sonderberichterstatter über Folter, Manfred Nowak. Da erfülle Hemayat, das Betreuungszentrum für Folter- und Kriegsüberlebende in Wien, seit 20 Jahren eine "wichtige Aufgabe der Republik": die laut UN-Antifolterkonvention bestehende Verpflichtung, traumatisierte Schutzsuchende zu rehabilitieren. Doch um das Geld, um diese Leistung erbringen zu können, müssten die Hemayat-Betreiber alljährlich zittern.

Tatsächlich sind die rund 500.000 Euro jährlich, um – etwa im vergangenen Jahr – 661 Flüchtlingen Psychotherapie zu bieten, zum Großteil Projektgelder, auch wenn der von privaten Spendern kommende Anteil mit 180.000 Euro inzwischen recht beachtlich ist. Um die öffentlichen Gelder muss immer wieder von Neuem angesucht werden: etwa beim Europäischen Flüchtlingsfonds und dem Innenministerium, dem Fonds Soziales Wien und der Wiener Integrationsabteilung MA 17.

Prekäre Arbeitsverhältnisse

Das, sagt Hemayat-Geschäftsführerin Cecilia Heiss bei der 20-Jahre-Pressekonferenz am Donnerstag, habe fortgesetzt prekäre Arbeitsverhältnisse für die Psychotherapeuten sowie eine langen Warteliste für die Folterüberlebenden, die meist an schweren psychosomatischen Symptomen leiden, zur Folge.

"Was wir dringend brauchen, sind eine fixe Basisfinanzierung sowie Krankenkassenplätze für Psychotherapie", fordert Heiss daher. Bund und Land Wien sollten sich dazu "rasch zusammentun", ergänzt Nowak. Denn der Umfang der Arbeit werde größter. Nowak: "Schlimmste Menschenrechtsverletzungen nehmen weltweit derzeit dramatisch zu." (bri, derStandard.at, 19.2.2015)

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